I 35081 chtigt auch die Exlibris-Kunst und veröffentlicht Tauschlisten für seine 7Jkv kostenlos. Probehefte auf Verlangen frei vom Verlag Parcus & Eo., München, Pilotystraße 7. Das Exlibris / Von Kranz Kleifchmann Der ausgezeichneten, vor allem kulturhistorisch bedeutenden Wochenschrift „Das Bayerland" (München, Bayerland-Verlag H. Eder, Schellingstraße 41) entnehmen mir nachstehenden Aufsatz. Der Wächter. echwere Bücherlasten wanderten im Sommer 1623 auf den Bücken von Saumtieren und Eseln über die Alpenpässe gen Italien, nach Rom in die Vatikanische Bibliothek. Es waren die Bücher und Handschriften der Bibliotheea Palatina, der Heidelberger Bibliothek, die nach der Einnahme Heidelbergs durch die ligistische Armee unter Tillys Führung von Kurfürst Maximilian von Bayern dem Papst Gregor XV. geschenkt worden waren. Bevor aber die wertvolle Bücherei, die fürst¬ licher Bücherfreude und Gönnerschaft ihr Werden verdankte, über die Alpen ging, er¬ hielten die Werke ein Zeichen eingeklebt, das ihre Herkunft und Bestimmung anzeigte und in kurzen stolzen Worten Heidelbergs Fall und des Kurfürsten Schenkung an Gregor XV. verkündete: „Sum de Bibliotheea, quam Heidelberga capta, Spolium fecit, & P. M. Gregorio XV. trophaeum misit MaximilianusVtriusqueBavariae Dux & c. S. B.I. Archidapifer et Princeps Elector. Anno Christi M. D. C. XXIII. In diesem Zeichen, das der bayerische Kur¬ fürst von dem Kupferstecher Raphael S a d e l e r in München hatte stechen und in die Werke der Palatina einkleben lassen, tritt uns in besonders auffallender 'Weise das Bibliothekzeichen — das Exlibris — ent¬ gegen und kennzeichnet sich bestimmt als das, was es ist und sein soll: eine Eigentums- b e z e i ch n u n g. Es nennt die Heidelberger Bibliothek, der das damit bezeichnete Buck) gehörte, und den Papst, dem es fortan gehören sollte. And damit wird uns sofort und ohne weiteres Wesen und Zweck des „Exlibris" klar, das merkwürdigerweise, trotzdem es eine fast fünfthalbhundertjährige Geschichte hinter sich hat, trotzdem es in der Neuzeit zum förmlichen Sammelobjekt und zu: Modesache geworden, trotzdem es eine ganze Literatur hervorgerufen und selbst die bedeutendsten Künstler sich zu Diensten gemacht hat, in der Allgemeinheit nicht immer das richtige Verständnis gefunden hat. Wie aus vorstehendem ersichtlich, ist es bestimmt, in die Bücher geklebt zu werden, um diesen das Merkmal des Besitztums, die Bezeich¬ nung des Eigentümers zu geben und sie auf solche Weise diesem zu sichern. Es ist also als richtige Eigentumsmarke oder Eignerzeichen zu betrachten, das nebenbei durch seine Ausstattung auch den damit versehenen Büchern zum Schmuck dienen soll. Die hiefür gegen früher selten mehr gehörte Benennung „Bücher¬ zeichen" ist unzutreffend und irreführend, da sie den Zweck nicht trifft und zur Verwechslung mit dem ebenfalls oft „Bücherzeichen" benann¬ ten Lesezeichen führt, welch letzteres dazu be¬ stimmt ist, in die Bücher zwischen die Blätter gelegt zu werden, um die Seite zu bezeichnen, bei der man das unterbrochene Lesen wieder aufnehmen will, und das seine eigene Ge¬ schichte hat. Nichtig ist „Bibliothekzeichen", welcher Aus¬ druck bereits seine Erklärung in sich hat und schon im 18. Jahrhundert, und zwar 1762 lateinisch als „signum Bibliothecae" auf einem Breslauer Exlibris erscheint und dann 1840 erstmals in der Literatur vorkommt. Am besten und treffendsten ist es aber, von einer Verdeutschung ganz ab¬ zusehen und die Bezeichnung „Exlibris" bei¬ zubehalten. Diese stainmt daher, daß die Eigentümerformel der meisten Bibliothekzeichen mit den Worten „Ex libris" (Aus den Büchern des N. N.) beginnt, weshalb man mit dem Wiederaufleben ihres Gebrauches diese beiden Worte zur Bezeichnung des Gegenstandes wählte und sie zu ein e m Kunstworte fügte, das sich nicht nur bei uns in Deutschland, sondern in der ganzen Kulturwelt einbürgerte, allen Sprachen gemeinsam, international ge¬ worden ist, so daß die Gebildeten aller Länder unter „Exlibris" das verstehen, was damit gemeint ist. Wenn wir heute eine Exlibrissammlung durchblättern, oder eine Reihe der schönen Blätter aus alter und neuer Zeit betrachten, so werden wir uns unschwer klar, daß wir darin e i n S t ü ck K u n st g e s ch i ch t e, nicht we¬ niger aber auch ein Stück Kultur¬ geschichte vor uns haben, was es recht¬ fertigt, sich eingehender damit zu beschäftigen und den Arsprung und die Blütezeit, Verfall und Wiederaufleben dieses zeitgenössischen Sammelgegenstandes zu verfolgen. Fast jedermann ist seit seiner Schulzeit gewohnt, in seine Bücher seinen Namen ein¬ zuschreiben und sie damit als sein Eigentum zu bezeichnen, und huldigt dabei einer Gepflogen¬ heit, die so alt ist, als die Bücher selbst. Nicht alle wertvollen Bücher konnte man, wie es vordem Brauch und Notwendigkeit gewesen, an Ketten legen, und so schrieb Man Name und Stand, auch den Ort der Eigentümer ein, als welche im Mittelalter zumeist die Klöster und nur ausgezeichnete Personen in Betracht kamen; dem fügte man zuweilen auch noch ein kenn¬ zeichnendes oder schmückendes Beiwerk an, wofür in erster Linie Wappen galten. In einem klösterlichen Buche mit einer Vorrede von 1454 findet sich bereits ein Kapitel über das Amt der Buchmeisterei, in dem die Vorschrift