Die Entwicklung des Schulwesen- im Jnnviertel liegt wohl in ihren allgemeinen Zügen klar vor uns. Es ist der gleiche Werdegang, den das bayerische Schulwesen bi- zum Jahre 1779 genommen hat. Und auch nachher, in der Zeit von 1810—16, als das Jnnviertel und selbst ein Teil deS HauSruckkreiseS wieder unter bayerischer Verwaltung standen, ist Bayerns Ein ­ fluß unverkennbar. Im übrigen wurde zur Zeit Kaiser Josefs II. und später unter Kaiser Franz I. daS Schulwesen des Landstriches am unteren Inn im österreichischen Sinne geregelt. Im einzelnen aber ist bisher viele« unerforscht. Besonders möchte ich aus die Zeit von ungefähr 1600 bis 1779 verweisen. Für diese Periode ließe sich aus den Kirchenbüchern und Rechnungen sowie aus den Akten der Pfarr- und Gemeindearchive gewiß manche» aufklärende Material gewinnen, vor allem über die Anfänge des Schulunterrichtes in den größeren Pfarrdörfern. In den folgenden Ausführungen erlaube ich mir einen kurzen Autschnitt auS der Schulgeschichte deS Jnnviertel- vorzulegen, und zwar über die Schul- verhältnisfe im 16. Jahrhundert, wie wir sie auS dem VisitationSberichte der Diözese Passau (1558/59) kennen?) 1. Die ältesten Nachrichten über das Schulwesen im Jnnviertel reichen bis in den Beginn de« 12. Jahrhundert- zurück. Es ist, als hätte hier die Wieder ­ besiedelung de« Gebietes nach den Magyarenstürmen» die schwere Arbeit am Boden, die Gewinnung neuen Kulturlandes alle Kräfte so aufgebraucht, daß die Sorge um die geistige Ausbildung in den Hintergrund trat, daß man sich mit der Fortpflanzung der nötigsten Kenntnisse in und durch die Familie begnügte. Eine Aenderung trat erst ein, als im Jnntale von Paffau bis über Burghausen hinaus um 1100 die verschiedenen Stifte entstanden. DaS re ­ ligiös stark angeregte Zeitalter des JnvestiturstreiteS bedingte die auffallende Tatsache, daß sie alle innerhalb deS kurzen Zeitraumes von einem halben Jahrhundert emporblühten: 1084 ReicherSberg, ein Jahrzehnt hernach (1094) Vornbach unterhalb Schärding — wenn auch auf dem linken Fluß ­ ufer gelegen, war dieses Stift dennoch für die Kulturverbreitung auf der östlichen Jnnseite von Wichtigkeit —, 1125 RanShofen, nachdem zwei ') Vortrag, gehalten bei der Hauptversammlung her Gruppe Oberösterreich der Ge ­ sellschaft für deutsche Erziehungs- und Schulgeschichte/(20. April 1910). 2 ) „Relatio Visitation!« in dioec. Paiav. etc.“ Cgm. 1737 der kgl. Hof- und Staatsbibliothek in München, 353 Blätter umfassend. Benützt bei S chiffmann. Das Schulwesen im Lande ob der Enns 1901 (59. Jahr.-Ber. d. Museums in Linz) Berger, Die kirchlichen Verhältnisse des Jnnviertels in der Mitte des 16. Jahrhunderts 1905 (Archiv f. d. Gesch. d. Diözese Linz II. Bd.). Vgl. RieVler, Geschichte Bayerns VI. (1903), S. 280 ff.