Erste Abteilung*. Abhandlungen. Heldensage und Namengebung. 'Alexander der Große voran mit aller Pracht des Orients, dann Karl der Große mit seinen Paladinen, byzantinische Kaiser, welsche Könige und Helden, Erek und Iweiri, Tristan und Parzival, die Ritter alle aus Artus' Tafelrunde und vom geheimnisvollen Gral — sie kommen über den Rhein und dringen durch Elsaß und Schwaben auch in Bayern ein, sie ziehen die Donau hinunter, nicht insgesamt, aber einige : jedoch an der österreichischen Grenze machen sie halt. Hier steht ein anderes, gewaltigeres Helden¬ geschlecht und wehrt den Eingang: Siegfried und Hagen, die Burguncjerfürsten, und Dietrich von Bern, der weitherrschende Goten¬ könig; auch edle Frauen unter ihnen, die streitbare Brunhild und ihre Gegnerin Kriemhild, die grausame Gerlind und die sanft¬ leidende Gudrun51). In diesen schönen Worten über den Siegeszug der Romantik des 12. und 13. Jahrhunderts in die deutschen Lande liegt schon die Tatsache ausgesprochen, daß die Heldensage des deutschen Volkes nirgends tiefer wurzelte als in den österreichischen Donau¬ ländern. Daher auch seit alter Zeit bis in das 14. Jahrhundert die Vorliebe der Österreicher für die Namen der Helden des Volks¬ epos. Das sind bekannte Dinge. Gewöhnlich zieht man die Ur¬ kunden heran, um sich ein Urteil über die Verbreitung einzelner dieser Namen zu bilden. Allein sie geben nur einen teilweisen Aufschluß. Die Zeugenlisten der älteren Urkunden weisen, abge¬ sehen von den Geistlichen, fast nur Namen von Rittern und Mini¬ sterialen auf. Das Namenmateriale, das sich aus ihnen ergibt, läßt somit bis etwa in die Mitte des 13. Jahrhunderts fast nur auf die Beliebtheit von Namen aus der Heldensage in adeligen *) W. Scherer, Vorträge und Aufsätze zur Geschichte des geistigen Lebens in Deutschland und Österreich, 128. Zeitschrift f. d. österr. Gyrnn, 1903. III. Heft. 13