2 leidende Menschheit ist die von ihm begründete Malariabehandlung der Früh ­ syphilis. Tausende von Menschen, denen das Unglück einer syphilitischen Infektion zugestoßen ist, werden durch diese Behandlungsmethode vor einem späteren Siechtume bewahrt bleiben. Seiner hohen wissenschaftlichen Begabung und seinem rastlosen Fleiße hat es Kyrle zu verdanken, daß er schon in sehr frühen Jahren (1918) zum Universitätsprofessor ernannt wurde und bereits einige Berufungen an ausländische Universitäten (Basel, Freiburg) erhielt. Er blieb aber der Wiener Klinik treu und sollte nun dafür belohnt werden, indem er als Nachfolger Prof. Riehls an der Wiener Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten in Vorschlag gebracht wurde. Gerade in diesem Zeitpunkte, vor dem letzten Schritte zum Gipfel seiner Erfolge, ereilte ihn die Todeskrankheit, ein schleichend beginnendes, in der letzten Zeit qualvolles Leiden, für ihn doppelt qualvoll deshalb, weil es ihn, den Arbeitgewohnten, der noch so viel Arbeit vor sich sah, zu einem un ­ tätigen Zuwarten im Krankenbette verdammte. Die Bösartigkeit seiner Krankheit wurde ihm verheimlicht und so hat er glücklicherweise bis zu seinem letzte» Augenblick den Mut nicht ganz verloren. Um so mutloser waren seine Freunde, die größtenteils selbst Mitglieder der medizinischen Fakultät sind, die ihr bestes Können versuchten, um das wertvolle Leben zu retten, die aber bald einsehen mußten, daß hier jede ärztliche Kunst versagte. Als Kyrle am Abend des 20. März seine Augen für immer schloß, waren sich alle einig in dem traurigen Empfinden: „Einer unserer Allerbesten ist von uns gegangen." Es war nicht nur Kyrles wissenschaftlicher Ruf, der ihm bei seinen Freunden und Gegnern die größte Hochachtung erwarb, sondern auch sein lauterer, gerader Charakter und sein zielbewußtes Auftreten auf akademischem Boden. Er war ein Vorkämpfer für die Freiheit der Wissenschaft und für die Deutscherhaltung der Wiener medizinischen Hochschule und sein frühzeitiges Hinscheiden wird auch aus diesem Grunde aufs tiefste bedauert. Als größten persönlichen Verlust aber empfinden wir, die ihm nahegestanden sind, den Tod eines ehrlichen, stets hilfs ­ bereiten Freundes, dessen heiteres Temperament stets wohltuend auf den ganzen Kreis seiner engeren Gesellschaft gewirkt hat. Ein vorbildlich schönes Familien ­ leben wurde durch seinen Tod zerrissen. Sein Begräbnis am Döblinger Friedhofe gestaltete sich zu einer rührenden Kundgebung der Verehrung, die dem Gelehrten und Menschen Kyrle von allen Seiten, insbesondere von seinen klinischen Kollegen entgegengebracht wurde. Prof. Dr. Finger beklagte am Grabe den schweren Verlust, den die Klinik durch das Hinscheiden des Mannes erlitten hat, der zu ihrer Führung bestimmt war; Prof. Dr. Arzt sprach Worte des Abschiedes im Namen der dermatologischen Gesellschaft; Prof. Dr. Eiselsberg, Präsident der Gesellschaft der Aerzte, betonte in einer herzlichen Grabrede die Verdienste Kyrles als Sekretär der Gesellschaft der Aerzte und als Schriftleiter der Wiener Klinischen Wochenschrift; Ober ­ medizinalrat Dr. Kielhof dankte dem Dahingeschiedenen für seine selbstlose und zielbewußte Arbeit im Vereine deutscher Aerzte Oesterreichs. Präsident Dr. Dinghofer brachte dem durch den Tod entrissenen Freunde und Bundesbruder die letzten Grüße seiner Burschenschaft und warf ihm Kappe und Band in sein kühles Grab hinab. Vier Chargierte der Grazer Burschenschaft „Ostmark" und zahlreiche Chargierte der Wiener Burschenschaften gaben dem Sarge das Geleite und bekundeten die Trauer der deutschen Studentenschaft um den Verlust ihres hochgeschätzten Lehrers. Viele Wiener- und Provinzzeitungen widmeten dem Verstorbenen äußerst ehrende Nachrufe, darunter auch Blätter, deren politische Richtung mit der allbekannten treudeutschen Gesinnung Kyrles nicht im Einklänge stand; auch seine Gegner geben offen zu, daß in Kyrle ein Mann von hervorragender