Rückblick und Ausblick 197 nisvoll wirken. Im Inlande würde sie falsche Hoffnungen er¬ wecken, im Auslande bespöttelt werden. Klare, nüchterne Ab¬ wägung der tatsächlichen Verhältnisse ist die Vorbedingung für unsere Stellung zu den kommenden Dingen. Der Angelpunkt unseres Krieges gegen die Entente ist unsere Westfront. Mit Genugtuung dürfen wir es aussprechen, daß sie sich von Tag zu Tag mehr gefestigt hat, seitdem die rück¬ wärtigen Bewegungen ihren Abschluß gefunden haben. Die Ver¬ kürzung der Front hat eine stärkere Besetzung, eine bessere Aus¬ stattung mit Abwehrmitteln und eine angemessene Ablösungs¬ möglichkeit für die fechtenden Truppen bewirkt. Wir nähern uns dem Winter, die Tage werden kürzer, die auch durch Witterungs¬ einflüsse bedingten Ruhepausen größer. In unermüdlicher Ar¬ beit bildet die Heimat den Heeresnachwuchs aus, ohne daß es bis jetzt nötig gewesen wäre, in die beträchtlichen noch vorhan¬ denen und — meist im Interesse der Kriegswirtschaft — vom Heeresdienst zurückgestellten Reserven hineinzugreifen. Unsere Westfront hat sich bereits sichtbar gekräftigt, die Abwehrschlacht steht. Für unsere Feinde ist es nötig, jeden Schritt vorwärts mit Strömen von Blut zu erkaufen. Weite, vom Kriege bis jetzt kaum berührte Gebiete sinken dabei in Trümmer. Wollen unsere Feinde uns mit Waffengewalt aus dem besetzten Nordfrankreich verdrängen und die Räumung Belgiens erzwingen, so müssen sie noch mit erheblichen Zeiträumen blutigster Kämpfe und mit einer völlig zwecklosen Zerstörung eigener Gebiete rechnen. Mit welchen Gefühlen französische und belgische Sol¬ daten sich an diesem Kampfe beteiligen, zumal wenn es ihnen klar wird, daß sie das alles ohne Schwertstreich zurückgewinnen könnten, läßt sich leicht ermessen. Die Entente hat also alle Veranlassung, auch ihrerseits die Vorteile eines baldigen Waffenstillstandes zu erwägen, ehe sie in den fünften Kriegswinter hineingeht, der mit jedem weiteren Tage den amerikanischen Einfluß stärker zur Geltung bringen muß. Stellen auch unsere Feinde sich auf den Boden einer ganz nüchternen Erwägung der Gesamtlage, wie es einige Militär- kritiker bereits tun, so müssen sie erkennen, daß Deutschland — trotz des Ausscheidens unserer Bundesgenossen — noch lange Feit in der Lage ist, den Widerstand fortzusetzen. Eine Über¬ spannung ihrer Forderungen würde die Kriegsdauer zwecklos verlängern. Denn darüber muß volle Klarheit herrschen, daß ein uns einseitig festlegender, dem Feinde alle Vorteile sichernder, unserer jetzigen militärischen Lage nicht entsprechender Waffen-