> 2267 Rosenkranz und Rauschen. ist es oft in meiner Gerichtspraxis vorgekommen, daß Leuten, die sich bei recht gewaltigen Raufhändeln bethciligten und deßhalb arretirt wurden, zugleich mit den Raufinstrumentm Ro ­ senkränze abgenommen wurden, welche beide Spuren often Gebrau ­ ches an sich trugen. — Es war mir dieß stets eine sonderbare Sache und hat mich oft zu eigenthümlichen Betrachtungen geführt. Wie kommt es, dachte ich mir, daß dieser Mensch, der nun wegen grausamen, oft lebensgefährlichen Verwundungen seines Mitmenschen vor meinem Richterstuhle steht, dessen Gesicht die unzweideutigsten Spuren sittlicher Verkommenheit und Rohheit zeigt, der vor kurzer Zeit wie ein wildes Thier ausartete, gefesselt werden mußte und sich nun wegen seiner That zu verantworten hat, in demselben Sacke, in welchem er eine Art Mordinstrument herumträgt, — das In ­ strument trägt, das ihm bei seiner Andachtsübung zuin Gebrauche dient? Hat er nie gedacht, daß diese zwei Dinge nicht zusammen ­ passen , hat es ihn, wenn er Sonntags Vormittags in den Sack langte, um den Rosenkranz hervorzuziehen und er daneben das kalte Eisen spürte, nie im Gewissen gemahnt, daß er dieses schändliche Instrument von sich schleudern solle, — oder hat er etwa gar, als es ihm dabei unter die Finger kam, während er Kügelchen ans Kü ­ gelchen vom Rosenkranz abbetete, schon in roher Lust an den Nach ­ mittags im Wirthshause zu erwartenden Raufhandel gedacht, sich ge-