53 Pracht strotzendes Hoftheater umgewan ­ delt worden und nur die ersten Kräfte der Wiener Hofoper und des Hofopern ­ ballettes zeigten sich auf der Bühne. Man spielte den 3. Mt „Troubadour" (Hauptrollen Mirszwinsky, Meißlinger), das Ballett „Harlekin als Elektriker" und den 4. Akt aus „Rigoletto", wobei Lucca die Partie der Gilda sang. Hof ­ kapellmeister Beher, der Komponist der Puppenfee, war am Dirigentenpult?^) Kurze Zeit nach dem deutschen Kaiser traf Prinz Viktor Bonaparte in Be ­ gleitung des Marquis Lavalette im Ho ­ tel Elisabeth ein?»») Am 15. August begab sich Kaiser Franz Josef mit Erz ­ herzogin Valerie zur Eröffnung der neuen Schwefelquellenanstalt nach Goi- sern bei Ischl. Den Bemühungen des Salinenarztes Dr. Löcker war es zu dan ­ ken, daß Golfern so rasch in den Besitz dieser Heilanstalt kam. Die neueröff ­ nete Quelle erhielt nach der anwesenden Erzherzogin den Namen Marie Valerie- Quelle.^«) Ein freundliches Bild aus diesen Tagen entwirft Dr. <5ueti: 257 ) Ischl ist ein großer Badeort, und wer dort Rast hält. der kann ein gut Teil Menschen ­ kenntnis mit in sein sonstiges Leben hin ­ übernehmen. Wir haben Ischl von al ­ len Seiten betrachtet; in Regen und Sonnenschein, mit und ohne Kurgäste, einsam und belebt, und haben es immer interessant gefunden. Wo gibt es ein reizender und bequem gelegeneres Cafe?' (Cafe Walther an der Esplanade). Zu den Füßen des Gastes rauscht die dun ­ kelgrüne Traun, an den Tischen versam ­ melt sich neben den nichts bedeutenden, aber glänzenden Erscheinungen des Reichtums, die Welt der Geister von Gottes Gnaden. Da sitzt manchmal, den Körper tief gebeugt, in dem noch die jugendfrische Seele wohnt, Bauernfeld, der Nestor unter den Homeriden; da sah ich neben der kräftigen Gestalt Jo ­ hannes Brahms die energischen Züge Billroths; dort zeigte man mir den geistvollen Wolf vom Pariser „Figaro", Bad Ischl: Trinkhalle. da sah ich täglich die nervöse, durchgei ­ stigte Figur Ignaz Brülls. Richt weit vom Cafe Walther bieten uns die Aus ­ lageschreine der Hofphotographen eine Sammlung der Berühmtesten und Mäch ­ tigsten im österreichischen Kaiserreiche. Wird man aber dessen müde, den schön ­ sten Leuten ungehindert ins Gesicht zu sehen, so gehe man zu einem Privat ­ souper zum Bürgermeister Koch, Besit ­ zer des Hotel Elisabeth. Oft schon hat der Schreiber dieser Blätter sich recht klein und gering gefühlt; nie aber mehr als er diesen self-inade man gegenüber sah. Mitten in den Gebirgen Oester ­ reichs fühlte man sich nach Amerika oder England versetzt, wo es nicht so selten ist, einem Manne zu begegnen, der neben einem gewöhnlichen Beruf, die höchsten Interessen der Kunst und Wissenschaft verfolgt. Wir sahen unser Vier an dem behaglichen Tische; die Frau Bürgermeister, eine echte, liebens ­ werte Wienerin, präsidierte dem Bür ­ germeister vis-a-vis. Außer mir war noch der Sohn des Wiener Stadtober ­ hauptes anwesend. Anser Gespräch, an welchem die sorgsame Wirtin den eifrig ­ sten Ancheil nahm, drehte sich um Schop ­ penhauer und dessen Philosophie, um Burkhardt und dessen Cicerone, um einige kleine, nur den ernschastesten Kunstjün ­ gern bekannte Orte Italiens, und end ­ lich um Schumann und den lieblichen Lanner, bis das Klavier geöffnet wur ­ de und die geübte Hand der Bürger ­ meisterin die Melodien erklingen und ertönen lieh, von welchen wir früher sehnsüchtig gesprochen. Hier mitten in einer nur durch wenige Wochen belebten