16 Die MärchensiadL am Tigris §Vt>ie leuchteten unsere Augen, als wir die <<Vgoldenen Kuppeln von Kastmen, einem Vorort von Bagdad, aufblitzen sahen! Der Tag neigte sich, und friedlicher AbendschimnM lag über dem von schwankenden Palmen umrahmten, von schlanken Minarets und funkelnden Kuppeln überragten Häusergewirr. Furchtbar und entnervend ist die nüchtern ­ häßliche, einem qualmenden Trümmerhaufen gleichende Innenstadt in der Tagesglut. Schön jedoch, zauberisch schön ist der Tigris mit seinen Palmenufern, mit den leichten arabisch-europäi ­ schen Gebäuden im Morgenglanz und in der Abendröte. Mit diesen krassen Gegensätzen gleicht Bagdad einer Schönen, der man beim ersten Anblick im sinnlosen Rausch, wild begehrend, um den Hals fallen möchte, von der man sich jedoch erschreckt abwendet, wenn nach kurzem Traum das grelle Licht ih.e Runzeln und ihr zerrissenes, schmutziges Alltagsgewand zeigt. Und wiederum möchte man sich an sie schmiegen, ihr ruhevoll den Kopf in den Schoß legen, wenn sie am Abend, anmutig von Blumen und Ranken umrahmt, auf goldgelbem Fell ruhend, ihren glitzernden Schmuck verführerisch im Mondeslicht funkeln .läßt und mit großen, strahlenden Spbinxauaen in die Wüstennacht blickt...