53 1878 jeden Preis zu verhindern. Bismarck habe in dem Wettstreite zwi ­ schen Rußland und Österreich auf dem Balkan eine der Formen des Kampfes der slawischen gegen die germanische Rasse er ­ blickt und es geradezu als ein Lebensinteresse Deutschlands an ­ gesehen, Österreich vor dem Vordringen des Slawentums zu schützen. Auch Windthorst habe in Erwiderung auf die Reichstags ­ rede Bismarcks vom 19. Februar 1878 das Interesse Deutschlands an der orientalischen Frage als ein bedeutendes und für die Zukunft folgenschweres bezeichnet und ausgeführt, es handele sich darum, ob das deutsche oder das slawische Element die Welt beherrschen solle; deshalb gelte es, das deutsche Interesse in seinem ganzen Umfange zu vertreten. Pages verzichtet aber bei diesem Anlasse auf Vorwürfe gegen die Grundgedanken der Bismarckschen Bündnis ­ politik, die sich damals von Rußland abzuwenden begann und einen näheren Anschluß an die Donaumonarchie suchte. Die Entstehung des deutsch-österreichischen Zweibundes Die Verstimmung Rußlands gegen Deutschland und Bismarck aus Anlaß des Berliner Kongresses trat bald zutage. Graf Peter Schuwalow sprach sich schon im August 1878 offen darüber aus, wie niedergeschlagen, ja geradezu verbittert der Zar sich über die Ergebnisse des Berliner Kongresses zu ihm ausgesprochen habe. Allen Gewinn habe Österreich eingeheimst und er, Graf Schuwalow, habe sich nach Ansicht des Zaren vom Fürsten Bismarck hinter das Licht führen lassen 1 . Vergebens hatte Schuwalow dem Zaren er- widertj daß sowohl Lord Beaconsfield wie Graf Andrässy sich nur durch Bismarck dazu hätten bestimmen lassen, den russischen For ­ derungen bei der Abgrenzung Bulgariens, beim Sandschak von Sofia und bei der Belassung von Batum bei Rußland nachzugeben; ohne Deutschlands Hilfe würde jede dieser drei Fragen für Rußland ein Kriegsfall geworden sein. Bismarck, nicht gewillt, eine so un ­ gerechte Beurteilung seiner Politik durch Rußland zuzulassen, ließ nunmehr in der deutschen Presse das Thema „mit Grazie variieren“, daß Rußland in seiner auswärtigen Politik Besseres habe erreichen können, wenn sie seit drei Jahren geschickter geführt worden wäre. In der Person des Fürsten Gortschakow erkannte er seinen Haupt ­ gegner. In den zur Ausführung des Berliner Vertrages vom 13. Juli 1878 eingesetzten orientalischen Kommissionen stieß Rußland fast immer auf den nahezu geschlossenen Widerstand der anderen Mächte. Auch Deutschland hatte sich meist der österreichischen Auffassung angeschlossen. Die russische Regierung trat daher anfangs August 1 Gr. Pol. Nr. 440.