. 141 lichkeit und dem Franziskaner-Ordensprovinzial, Metropolit Letica mit der griechisch-orientalischen Geistlichkeit, Reis-el-Ulema Hafiz Suleiman Esfendi Sarac mit der moslemitischen Geistlichkeit, die Kirchenvorsteher der anderen Konfessionen, Offiziere und Militärbeamte usw'. Der Kaiser besuchte dann noch Mostar, die Hauptstadt der Herzegowina, worauf die Rückreise erfolgte. — Bosnien hat nun auch seinen Landtag, der zur Freude der Regierung „bisher" sehr gut funktionierte und mit seiner ersten Sitzungsperiode günstig abschnitt. Der zum Präsi ­ denten des Landtages gewählt gewesene Ali Beg Firdus starb unerwartet schnell, so daß Vize ­ präsident Sola an seiner Stelle den Vorsitz im Landtage übernahm. — Der bosnische Landtag wurde am 15. Juni durch den Landeschef G. d. I. Varel anin feier ­ lich eröffnet. Als nach Ende der Er ­ öffnungsitzung der Lnndeschef Bare- sanin in den Konak zu Wagen zurück ­ kehrte, feuerte ein gewisser Bogd an Cerajic fünf Re- volverfchüsse auf ihn ab. Den sechsten" Schuß feuerte der Attentäter auf sich ab und machte da ­ mit seinem ver ­ fehlten Leben ein rasches Ende. In Böhmen wurde das ganze Jahr vergeblich an der Einigung der Nationen und dann mit der Flottmach- ung des Landtages herumgearbeitet; dadurch ist die Finanznot desLan- des aufs Höchste ge ­ stiegen. In Ungarn fanden die Wahlen in den Reichstag im Juni statt. Natürlich gab es dabei wieder die schönsten Raufereien und blutige Köpfe in schwerer Menge. Das Resultat der Wahlen war ein Sieg der sogenannten nationalen Arbeits ­ partei und haben dem Grafen Khuen-Hedervary einen vollen Erfolg gebracht. Der Reichstag wurde am 25. Juni durch den Kaiser mit einer Thron ­ rede eröffnet. — Ende März wurde das ungarische Dorf Oeköritä von einem katastrophalen Un ­ glücke betroffen. Bei einem Tanzfeste in einer großen Scheune, worin sich fast alle Bewohner des Dorfes und der Nachbardörfer zusammen ­ gefunden hatten, brach plötzlich ein Brand aus, der 320 Menschen in allen Lebensstufen einen grauenhaften Tod brachte. Darunter war auch eine aus 26 Köpfen bestehende Familie: Großeltern, Eltern und Enkelkinder. In Salzburg fand in den Tagen von: 18. bis 21. Juli der Marianische Weltkongreß und der IV. allgemeine Sodalentag unter großartiger Beteiligung statt; darob fuhr ein panischer Schreck in die Glieder der Salzburger Patentfreisinnigen und sie gingen hin und ver ­ schrieben sich antiklerikale Hetz-Professoren und -Pastoren und „rote" Häuptlinge und stimmten ein kulturkämpferisches Kriegsgeheul an. Tirol. Vom 9. bis 12. September 1910 fand in Innsbruck der VII. Allgemeine Oester ­ reichische Katholikentag statt. — Den Verlauf des ­ selben können wir erst nächstes Jahr schildern. Nicht allein Niederösterreich und ins ­ besondere die Haupb- und Residenzstadt Oesterreichs Wien, sondern alle Katholiken, vor allem aber Der t Würgermeister Dr. Tueger in Tovrano mit seiner Krankenschwester und Stadtrat Hellmann und Frau. die christlich-soziale Partei Oesterreichs, waren von tiefster Trauer erfüllt, als der energievolle Führer, der seine Partei durch seine unvergleichliche Kunst der Agitation und sein großes wirtschaftliches Talent, seine herzgewinnende Liebenswürdigkeit zu einer politischen Großmacht in Oesterreich emporhob und ihr den größten politischen Einfluß auf die Ver ­ waltung Wiens und Niederösterreichs sicherte, Bürgermeister Dr. Karl Lueger, am 10. März nach langem, jedoch mit heldenmütiger Geduld er ­ tragenem Leiden seine Seele aushauchte. — Nach dem Tode Dr. Luegers wurde Prinz Alois Liechtenstein zum Führer der christlich-sozialen Reichspartei, Dr. Geßmann zum Führer der christlich-sozialen Reichsratsfraktion gewählt. Die freudige Hoffnung der Freisinnigen, daß sich nach dem Tode Dr. Luegers die christlich-soziale Partei zer ­ splittern und für sie wieder bessere Zeiten kommen