Monte Cassino 500, Corbie 600, Weingarten in Schwaben bei der Aufhebung 600, die Bibliothek des Domkapitels in Salzburg um 1430 rund 400 Hss. besass, (1) und wenn wir uns fur die ältere Zeit erinnern, dass z. B. die Dombibliothek in Passau im Jahre 1254 insgesamt 226, Vorau in Steiermark am Ende des 13. Jahrhunderts 70 Bde. zählte (2), so dürfen wir sagen, dass unsere alten oberösterreichischen Stifte an Handschriften nicht schlecht bestellt waren. Die Verbilligung des Materials seit dem Aufkommen des Papiers, das Steigen der Produktion durch die Lohnschreiber, das Anwachsen des literarischen Interesses seit der Wirksamkeit des Humanismus und die Erleichterung der Erwerbung von Handschriften durch die zunehmende Ausdehnung des Handels auf den grossen Märkten und des Verkehres der Klöster untereinander haben die Bibliotheken ausserordentlich gefördert. So erklärt sich das Verhältnis der Ziffern. Interessant ist es, die Vermehrung der Bestände an ein paar Beispielen zu verfolgen: (3) Kremsmünster: unter Abt Sigmar c. 1012 Bestand 60 Bde. Zuwachs unter diesem Abt bis 1040: 20 Bde. Zuwachs unter Abt Gerhard (1040 - 50): 15 Bde. St. Florian: Bestand am Ende des 12. Jahrh.: c. 50 Bde. Zuwachs im 13. Jahrh.: 37 Bde. Zuwachs im 14. Jahrh.: 156 Bde. Zuwachs im 15. Jahrh.: 223 Bde. Klosterneuburg: Bestand am Ende des 13. Jahrh. 122 Bde. » Bestand im Jahre 1330: 366 Bde. Dieser ständigen Vermehrung der Handschriften stehen allerdings Verluste durch Ausleihen, Brände und Diebstahl, ferner durch Verschneiden für Einbände seit der Erfindung der Buchdruckerkunst, endlich in der Reformationszeit durch Veräusserung und Verschleppung gegenüber. Dass namentlich die Spoliierung der Handschriften durch die Verbilligung der Drucke im 16. Jahrh. grossen Umfang gewann, zeigen die massenhaften als Deckelbelag oder Falzleisten verwendeten Fragmente. (1) W. Wattenbach, Das Schriftwesen im Mittelalter, Leipzig, 1896, S. 586. (2) A. Czerny, Die Stiftsbibliothek von St. Florian, Linz 1874, S. 223 ff. (3) Ebd., S. 10, 12, 28 f.