II. Die Vorbereitungen zur Offensive in Kurland. Karte 1 und Skizze 3. Die unvermeidliche Kampfpause bis zum Beginn der Offensive benutzte die neue Führung in Kurland, um sich über die ihr übertragene Aufgabe klarzuwerden und, soweit dies bei den chaotischen Zuständen im Felde und in der Heimat möglich war, die Grundlagen für ein erfolgreiches Handeln zu verbessern oder neu zu schaffen. In erster Linie schwebten dem Grafen von der Goltz als Ziel vor die Niederkämpfung des Bolschewismus, der Aufbau des alten preußischen Soldatengeistes in der Truppe unter Ablehnung des Landsknechtstums und schließlich die Errichtung sowjetfeindlicher und deutschfreundlicher Rand¬ staaten. Er ging damit über die Absichten seiner mit ganz anderen Sorgen belasteten Auftraggeber bewußt hinaus. Innerhalb des Generalkommandos waren der Kommandierende General und sein Chef, Major Hagemann, überwiegend durch politische Aufgaben einschließlich der Auseinandersetzungen mit dem Soldatenrat beschäftigt, während der Erste Generalstabsofsizier, Hauptmann von Jagow, alle tak¬ tischen und operativen Fragen mit weitgehender Selbständigkeit bearbeitete. Mehrfach wurde er im Hinblick auf die schwierigen Verbindungen zur Vor¬ bereitung der Operationen mit bestimmten Aufträgen an die Front ge¬ schickt. Dort besprach er die geplanten Maßnahmen mit den Kommandeuren und ihren Generalstabsoffizieren und ordnete sie im Namen des General¬ kommandos auch gleich an, was der Kommandierende General dann meist nachträglich genehmigte. Die Ausführungsbefehle hatten in der Regel nur den Zweck, die einzelnen Stellen des Generalkommandos ins Bild zu setzen und die Übereinstimmung des Vorgehens benachbarter Truppenverbände sicherzustellen. Die Geschäfte des Gouverneurs von Libau nahm der Kommandierende General mit wahr, wodurch zwar die Arbeitslast vermehrt, aber Reibungen und Gegensätze von vornherein ausgeschaltet waren. Zum Chef des Generalstabes des Gouvernements war Major Heinersdorff ernannt worden.