VII. Drama und Theater in den kleineren Städten und auf dem Lande. Hatte die Landeshauptstadt ihr Theatervergnügen, so wollten auch die anderen größeren Orte es nicht entbehren. Und deshalb rückten denn auch zu den Jahrmärkten so sicher wie die Lebzelter auch die Wanderschauspieler mit ihren Thespiskarren an; selbst in abgelegene Alpentäler drangen sie mit ihrer oft zweifelhaften Kunst ein. In kleineren Orten behalf man sich nach wie vor mit Stadeln, Tanzstuben und improvisierten Bühnen auf freiem Platze, in größeren aber richtete man in der josefinischen Zeit und später noch auf¬ gelassene Kirchen zu Zwecken der Schauspielkunst ein. In Steyr geschah dies mit der Kirche der Cölestinerinnen1), in Wels mit der Spitalkirche. Auch in Ried, dem Sitze des Innviertler Kreisamtes, wandelte eine Gesellschaft von Theaterliebhabern um 1790 mit Regierungs- Bewilligung und einem Aufwande von 800 fl. die ehemalige Spital¬ kirche zu einem Schauspielhause um. Zur Eröffnung verschriet^ man eigens eine Theatergesellschaft. Allein man hatte daraüf vergessen, dem neuen Musensitze auch äußerlich den Charakter der Kirche zu nehmen, und so war in der Bürgerschaft eine große Erbitterung entstanden, die sich schon bei der zweiten oder dritten Vorstellung in einem Steinregen durch die Fenster Luft machte. *) Im Jahre 1786 übernahm die Stadt Kloster, Kirche und Kapelle um den Schätzungswert und nach A. Digls Chronik des Stiftes Garsten (Ms. Cod. Gottwic Nr. 82) wanderte am 30. Juni 1789 die schöne Bühnenausstattung, welche ein gewisser Eibel seinerzeit dem Garstener Dilettanten-Theater zu Auf¬ führungen für das Armeninstitut geschenkt hatte, in das neue Steyrer Theater in der Berggasse. Folglich kann nicht erst 1792, wie Pritz in seiner Geschichte von Steyr (1837), p. 24, meint, die Kirche in ein Theater umgewandelt worden sein.