118 Wie sehr Scholz durch sein Reformwerk vielen Linzern ins Fleisch geschnitten, geht deutlich aus der Klage hervor, in die der Redakteur des „Lachenden“, einer kurzlebigen satirischen Linzer Zeitschrift vom Jahre 1777, ein Linzer Fräulein ausbrechen läßt: Sie sei, hebt sie an, mit Mama zwar einige Male im Schauspielkause gewesen, finde aber gar keine Freude daran, weil so viele ungesittete Leute darin anzutreffen seien, welche verlangten, daß unter dem Spiele alles still sein und ein munteres Frauenzimmer nicht einmal verständlich reden solle, widrigenfalls sie gleich ein, ungetümes Pst! erschallen ließen. Zudem könne sie bei einem Trauerspiele die Zeit nicht recht treffen, wann sie weinen solle; sie bedauere derohalben die Ausschlies¬ sung des Hanswurstes und Bernardons; da habe sie lachen können, wann sie wollte. Seit der bedauerns¬ würdigen Abschaffung des Hanswurstes pflege sie das Schauspielhaus sehr selten zu betreten. Edmunda Scholz als Medea. Unter dieser Sa¬ tire verbirgt sich die wahre Stimmung. So dachten viele Linzer. Scholz hatte auch den Unfug des lauten Redens und ungenierten Be¬ nehmens im Theater mit Erfolg abgestellt, allein nach seinem Weggange begann die alte Theater¬ misere wieder. (Nach einem Stiche aus dem Jahre 1783 in der „Anjetzo, klagt der Wiener Hof bibliothek.) Lach ende“ im Jahre 1777, ist es eben bey nahe so toll wie damals; eine Menge ungesitteter Knaben und Mägdchen — leider muß man auch hinzusetzen — Männer und Frauen sind fast alltäglich*) im Schauspielhause anzutreffen, welche sich allein zu seyn dünken und mit ihrem 2) An den Normatagen, die für Oberösterreich mit Zirkulare vom 21. Jänner 1752 geregelt wurden, im Advent und in der Fastenzeit war das Theater geschlossen. Sonst wurde drei- bis viermal in der Woche gespielt.