117 Die Frau Principalin ist schon weich geworden. Angesichts ihrer Not, die der Compositeur rücksichtslos ausbeutet, angesichts des Edelsinnes, mit dem Crispinus ihr von der Einnahme der Faustaufführung 30 Thaler als Entschädigung gibt, weil sie „sein Juchtengestank zu Halle zimmlich verkürzet“ habe, angesichts der vorausgegangenen Erfahrungen entläßt sie ihren Kompo- siteur, engagiert den Crispin wieder als Hanswurst und fordert zum Schlüsse ihre „lieben Kinder“ auf, sich zur Komoedie vom verwirrten Hofe zu richten. Dieses Stück, daß gewiß literarhistorisches Interesse bean¬ spruchen darf, gibt besser als viele Worte eine Vorstellung von dem Ideenkreis, in dem sich die Hanswurstiaden unserer Voreltern bewegten. Hoch und nieder, alt und jung freute sich an den Spässen Bernardons, an seinen witzigen Ein- und Ausfällen auf Tagesereignisse und bekannte Persönlichkeiten. Er lebt in vielen Wen¬ dungen noch in der Sprache des gewöhnlichen Volkes1) und das Wesenhafte an ihm findet auch in unseren Tagen, wenn auch unter anderen Namen, seine Verkörperung. Aber von der ernsten Bühne war er doch nach einem verhältnismäßig kurzen Kampfe vertrieben. Die ade¬ ligen Kreise, die zumeist in der Provinz die Bühne in Händen hatten, nahmen rasch den in Wien zum Ausbruche gekommenen Kampf gegen Bernardon auf und in Linz war es die Direktion Scholz, Maximilian Scholz (1744—1800) i. . -tnnn • , , Direktor und Reformator des Linzer Theaters. die im Jahre 1772 nicht nur „ 1fynON (Nach einem Stiche von A. Thilo 1799.) das Extemporieren abschaffte, sondern auch den Hanswurst in das Sommertheater verbannte und so den Grund zur regelmäßigen Bühne legte. seher, Einfältigen Meichlmörder, interessirten Kammerdiner, übl belohnten beeder Achsel träger, unschuldigen Arrestanten, Interessirten Aufseher, Wohl exercirten Soldaten und Inspector über die bei Hoff auf der Stiegen essenden Galantomo“. Prölß III, 1, 312. *) Noch heute ist etwas, wobei es lustig hergeht, eine Komödie, Spek¬ takel, Hetze oder Wirtschaft, noch heute spricht man vom Hanswurst, der seine Lazzi macht.