88 Leiter führt vom Ankleideraum in den Dachraum, wo sich zwei verschiebbare Brücken befinden, die als Standort für die Donner-, Blitz-, Regen- und Flugvorrichtungen dienten. Diese auf der eng¬ lischen Bühne fußende, in der eben beschriebenen Form aber ursprünglich von Johannes Velten festgestellte Bühnenkonstruktion ist als Grundlage unserer modernen Theatereinrichtungen anzusehen. Ungefähr so, nur etwas einfacher haben wir uns auch das Linzer Theater vorzustellen.1) Reisende Truppen fanden sich regelmäßig zu den beiden Jahr¬ marktszeiten im Sommer ein und so hieß diese Bretterhütte das Som¬ mertheater. Während nun z. B. in Graz,* 2) Brünn3) Das Linzer Bühnenhaus (Sommertheater) un(J anderen Provinzial- an der Donau. (Nach einer Zeichnung aus dem Jahre 1862 im Museum.) Hauptstädten Z Iheater waren, eines für die ernste Muse, ein Sommertheater für die Hanswurstiaden, gab es in Linz nur ein Sommertheater. Als daher später der Adel das „regelmäßige“ Stück durch ständige Gesellschaften pflegen lassen wollte, war guter Rat teuer. Die Vertreter der beiden Kunstrichtungen, gestützt durch je einen namhaften Bruchteil der Bevölkerung, hatten gleiches Anrecht auf das Theater, konnten aber natürlich nicht zu gleicher Zeit am gleichen Orte spielen. Man richtete also, damit sie sich nicht gegen¬ seitig Konkurrenz machten und das Publikum beider Genüsse teil¬ haft werden konnte, die Sache so ein, daß z. B. unter Bullas Direktion das Sommertheater um 5 Uhr, das regelmäßige Schau¬ spiel um 61/2 Uhr begann. Bis in die Sechzigerjahre war aber das Sommertheater unan¬ *) Es faßte ungefähr 400 Menschen. 2) Bis 1775 auf dem Tummelplätze, dann ein Neubau in Verbindung mit dem Bedoutensaale. Das Sommertheater (1701) war eine große Bretterhütte vor dem Eisentore. A. Schlossar, Innerösterr. Stadtleben vor hundert Jahren. Wien 1877, p. 29, 34. 3) Das Theater in Brünn wurde 1732 gebaut.