Versatzstück zum Lambaeher Stiftstheater. Eine wahre Jagd nach musikalischen Genüssen begann, als im Jahre 1789 der feinsinnige Freund Mozarts, P. Maximilian Stadler, Benediktiner des Stiftes Melk, als Abbö commendataire nach Krems¬ münster kam. Glänzende Konzerte und Opernaufführungen ver¬ einigten unausgesetzt Kenner und Liebhaber1) aus Stadt und Land in dem gastlichen Stifte. — Leider wirkte dieser hervorragende Kunstmäzen nur anderthalb Jahre in seiner allerdings für beide Teile wenig angenehmen Stellung. Wenn wir uns nun zum Schlüsse ein Urteil über die etwa seit 1650 aufgeführten Stücke bilden wollen, sind wir in der glücklichen Lage, in Kremsmünster noch ungefähr 100 Stücke zu finden, die uns einen guten Einblick in die verschiedenen Richtungen des Ge¬ schmackes gestatten, die jeweils das Repertoire hier und in den anderen Stiften beherrschten. Anfangs wandelt die Stiftsbühne längere Zeit ganz im Geleise der Jesuitentheater:* 2) Legendendramen und Moralisationen streng religiösen Typs überwiegen. Da mußte Hannibal der studierenden Jugend ein Beispiel geben, wie man Eide heilig hält, Anconius lehrte die Herrschertugend der x) Wie sehr in der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. Theater-Aufführungen als wesentliche Programmpunkte einer Festlichkeit angesehen wurden — auch in geistlichen Kreisen, mag man daraus ersehen, daß man anläßlich der In¬ stallation des Linzer Generalvikars Finetti auf die Herrschaft Suben im Jahre 1792 auch zwei Opern aufführte. Fritz, Suben, p. 64. 2) Man denke an Stücke wie „Eustachius“ (1673), „Demetrius“, „Parr o chius“, Ansberta“, „Cyrus“, „Beiisar“, „Gottfried von Bouillon“, „Wamba“, „Heraclius“, „Leander“, „Alexius“, „Euri- pus“ usw. und man wird sich an Jesuiten- und Piaristenstiicke gleichen oder ähnlichen Namens erinnern. Die Verfasser solcher Stücke schöpften ihren Stoff meist aus Petrus Sanchez, Surius, Andreas Eborensis und ähnlichen Autoren.