Auch ein Opfer der Kriegsnot ist er uns urplötzlich entrissen; der Heimatkunst ein Führer, die dichterische Seele dem Stelzhamer-Bunde, dem Heimatlande ein heller Edelstein mit seinem treuen, deutschen Herzen, das es umschlungen hielt mit allen Fasern, und doch wird sein Leib nicht ruhen in heimatlicher Erde; mit tiefem Weh mußte er sie lassen. Wohl jubelte ihm sein Heimatland immer wieder begeistert entgegen in Stadt und Land bei seinen ungezählten großmeisterlichen Vorträgen und sonstigen frohbelebenden Kund ­ gebungen seiner sonnigen Frohnatur; allein zu einer für sein Leben, Wirken und Streben entscheidungsvollen Würdigung durch die Tat, durch Einräumung einer Stellung, die ihm das heiß ersehnte Verbleiben in der Heimat ermöglicht hätte, ist es nicht gekommen. Kein Parteimann, kein Streber, keine energische Kampfnatur und seine getreuesten Freunde ohne den maßgebenden Einfluß auf die Gestaltung der Dinge im Lande, Museum und Studienbibliothek, Anstalten, die für ihn in Frage gekommen wären, gleich ihm selbst noch laborierend unter unwirtlichen Verhältnissen, so stand es um ihn zur kritischen Zeit seiner sommer ­ lichen Sonnenwende, so blieb seine Manneskraft gebannt an feine Nährmutter, als Bibliothekar an die k. k. geologische Reichsanstalt in Wien, und floß sein reiches künstlerisches Talent zumeist der Gesellschaft und den literarischen Kreisen der Großstadt zu. Allerdings mit einer Rückwirkung auf das Heimatland, wie speziell die großartige Stelzhamer-Iubelfeier am 24. November 1902 im großen Musikvereinssaale in Wien im Zeichen seines Ansehens stand, deren reichlichstes Erträgnis das Stelzhamer-Denkmal in Linz und mittelbar jenes in Ried im Gefolge hatte. Doch bahnbrechende Schöpfungen, wie seine großzügig angelegte Stelzhamer-Biographie und das seinerzeit vielfach mit ihm besprochene Drama „Stephan Fadinger" entbehrten zu ihrer Durchführung gar zu hart der heimat ­ lichen Sonne und wird erst der Nachlaß weisen, wie weit sie gediehen. Als ein kindlich frommes Gemüt glückselig über seine Ernennung zum Regierungs ­ rat, ausgezeichnet mit dem Bauernfeld-Preise, mächtig gehoben in seinem Selbstvertrauen und getragen von der hohen Würde eines Großmeisters der ältesten und angesehensten Künstlervereinigung in Wien „Die grüne Insel", beglückte sein also durchsonnter Lebensabend mit dem hoffnungsfreudigsten Aus ­ blicke auf einen langen, vollen Erntesegen seiner lichtvollen Sendung. Da verstummt der seelenvollste Sänger des Frühlings inmitten des blühenden Mai. Die Residenzstadt bereitet ihm ein Ehrengrab. Fiducit herzlieber Jugend ­ freund und Bundesbruder! In deinen Werken lebst du auferbaulichst in uns und in der Nachwelt fort. Deine opferfreudige Hingabe im Dienste der Heimat ­ liebe, als Leitstern wird sie voranleuchten im Bunde, in dessen zeitgemäß erwei ­ tertem Wirkungskreise zu der Heimat Heil und Segen. In diesem Aufblicke bleibe uns getreu das Zuhalten aller lieben Heimatfreunde. E f er d i n g, 9. Mai 1918. Für den Stelzhamer-Bund: Dr. Hans Zötl.