444 Italien zur Zeit der Frührenaissance war, oder zu Dante, der mit seiner Beatrice einen Madonnenkultus trieb, bedeutete die Liebe Immanuel .nichts als eine alltägliche Tragi ­ komödie. In seiner Jugend ließ er sich sogar zu poetischen Scherzen von der Art des folgenden hinreißen: „Dem Paradiese zog’ ich die Hölle vor, denn wo die Tugend gebietet, steht ihr die Langeweile als treue Gefährtin zur Seite. Lieber ist mir die Hölle mit der liebreizen ­ den Sünderinnen Schar. Mit ihnen geteilt, wird die Hölle zum Eden, ohne sie der Eden zur brennenden Hölle“. Später erblickte er aller ­ dings selbst in seinem dichterischen Paradiese nur eine Ausgeburt der Hölle. In der Lyrik des Immanuel wird ganz wie bei Heine das Lied der Liebe und Leidenschaft immer wieder von bitterstem Sarkas ­ mus, von Verhöhnung der eigenen, eben zum Ausdruck gebrachten Überschwenglichkeit abgelöst. Seine hervorragende Begabung hielt Immanuel nicht vor Vergeudung seiner Schaffenskraft zurück. Gleich der Mehrzahl der damaligen Dichter, schrieb auch er vieles nur zur Unterhaltung und Erheiterung seiner Gönner. Die Sammlung „Mach- beroth“ ist aus den heterogensten Elementen auf gebaut: auf von echt lyrischem Geiste getragene Sonette folgen leicht hingeworfene Szenen aus dem Alltag, auf leichtsinnige Plaudereien tiefernste Belehrung, auf gewagte Anekdoten im Geschmack eines Boccacio wehmütige Ele ­ gien und erbauliche Meditationen. Die Gedichte sind durch eine pro ­ saische Rahmenerzählung verbunden, in der Dichtung und Wahrheit unmerklich ineinander fließen. Die Sammlung schließt mit dem Ge ­ dicht „Hölle und Paradies“ („Ha’tofeth weha’eden“), das seinem Stoffe nach an Dantes „Göttliche Komödie“ erinnert, unter deren Einfluß es auch entstanden zu sein scheint. In dieser Dichtung kommt der Satiriker Immanuel voll zur Geltung. Neben den ungläubigen griechischen und arabischen Philosophen versetzt er in seine Hölle die verknöcherten, das weltliche Wissen verachtenden Talmudisten, die Scheinheiligen, Geizhälse, Kurpfuscher und die Plagiatoren unter den Schriftstellern. Zum Unterschiede jedoch von Dante, der allen Nicht ­ katholiken den Eintritt in das Paradies verwehrt, räumt Immanuel den sittlich hochstehenden und die Einzigkeit Gottes anerkennenden Andersgläubigen ohne Bedenken Plätze im Eden ein. Der jüdische Dichter soll nach den Mutmaßungen mancher Ge ­ schichtsschreiber mit dem großen Florentiner auch persönlich be ­ kannt gewesen sein; es steht jedenfalls fest, daß sie in der Person des italienischen Rechtsgelehrten Bosone da Gubbio einen gemeinsamen