§ 60. Süditalien. Die Vertreibung aus Sizilien 28* 435 harrenden Pilger brachten den Mönchen immensen Gewinn ein. Trotz ­ dem war Sixtus IV. nicht dazu zu bewegen, Simon als heiligen Mär ­ tyrer zu kanonisieren, und es vergingen volle hundert Jahre, bis man in Rom dem Volksaberglauben Genüge tat: erst Gregor XIII. gab seine Zustimmung dazu, daß „Simon Tridentinus“ als ein zur „Schän ­ dung Christi“ hingemordeter Märtyrer verehrt werde. So zeigten sich am heiteren Himmel der italienischen Renaissance plötzlich die düsteren Schatten der Nachzüglerin des Mittelalters, der Inquisition, die zugleich Vorboten der hundert Jahre später die Re ­ naissanceepoche ablösenden Periode der katholischen Reaktion waren. § 60. Süditalien. Die Vertreibung aus Sizilien Ein von dem übrigen Italien abgesondertes Dasein führte der sich in seiner politischen und wirtschaftlichen Verfassung von dem Nor ­ den stark unterscheidende italienische Süden. Süditalien war in jener Epoche zwischen zwei Dynastien auf geteilt: einer französischen und einer spanischen. Während das Königreich Neapel unter der Gewalt der Herrscher aus dem Hause Anjou stand, die zugleich die Grafen der Provence waren, wurde Sizilien von den Königen Aragoniens re ­ giert (oben, § 36). Über die Geschicke der neapolitanischen Juden im XIV. und XV. Jahrhundert haben sich nur sehr spärliche Nach ­ richten erhalten. Die ersten Könige aus dem Hause Anjou machten zwar den Versuch, die Gepflogenheiten der „allerchristlichsten“ fran ­ zösischen Herrscher auch nach dem italienischen Süden zu verpflan ­ zen, doch vermochte die kirchliche Politik auf diesem Boden kaum je Wurzel zu fassen. Der König Robert von Anjou (i3o9—1343), ein Förderer der Aufklärung, der in Neapel die Zeiten des Kaisers Friedrich II. neu erstehen ließ, wandte sich von dieser Politik bald ab. Gleich Friedrich umgab er sich mit Gelehrten und Dichtern, un ­ ter denen auch aus Rom und der Provence stammende jüdische Schriftsteller vertreten waren (unten, § 6i). Die gegen Ende des XIV. Jahrhunderts erfolgte Ausweisung der Juden aus dem größten Teil der Provence trieb wohl viele von den Emigranten nach dem Königreich Neapel, indessen ist uns über die Rückwirkung dieser Zuwanderung auf das innere Leben der dortigen jüdischen Gemein ­ den nichts bekannt. Der Schwerpunkt der süditalienischen Judenheit lag übrigens um jene Zeit nicht hier, sondern in Sizilien, wo sich da ­