420 Italien zur Zeit der Frührenaissance gen sowie des heilspendenden christlichen Glaubens teilhaftig zu wer ­ den, vermögen wir uns in unserer christlichen Barmherzigkeit ihrem Notschrei nicht zu verschließen . . .“ Diese „christliche Barmherzig ­ keit“ der Päpste kam freilich den Juden teuer zu stehen: jede von der römischen Kurie erlassene Schutzbulle mußten sie mit klingen ­ der Münze bezahlen. Bei alledem war Martin V. als Beschützer der Juden überaus unzuverlässig. So, erließ er im Jahre 1422 zum Schutze der deutschen und böhmischen Juden eine die Hetzpropaganda der Mönche untersagende Bulle, um sie auf die Vorstellungen der den „apostolischen Stuhl“ gegen die Hussiten verteidigenden Geistlichkeit hin schon ein Jahr später zu widerrufen. Auch die den Juden gegenüber geübte Politik der Nachfolger Martins V. stand unter dem Drucke der Zeitereignisse. Der wegen der inneren Wirren zumeist außerhalb Roms sich aufhaltende Papst Eugen IV. (i43i— i447) wandelte zunächst in den Fußstapfen sei ­ nes Vorgängers und veröffentlichte zum Schutze der Juden einen gegen die Hetzprediger gerichteten Erlaß, dem er aber dann im Jahre i442 unter dem Einfluß der auf dem Baseler Konzil das große Wort führenden spanischen Kleriker jene judenfeindliche Bulle folgen ließ, die in Spanien so schwere Beunruhigung hervorrief (oben, § 5i). Er machte den Versuch, die Bestimmungen dieser Bulle auch auf die italienischen Juden zu erstrecken und so der ihm unterstellten Herde das zu verbieten, wozu er sich selbst volle Freiheit nahm, wie z. B. die Inanspruchnahme jüdischer Ärzte (kurz vorher ernannte Eugen IV. den bereits erwähnten Elias Sabbato zu seinem Leibarzte). Den Ju ­ den drohte die Gefahr einer erheblichen Beeinträchtigung ihrer Han ­ dels- und Gewerbefreiheit, ja sogar ihres geistigen Lebens, da der päpstliche Hof sich mit dem Plane trug, den Unterricht in den jüdi ­ schen Schulen ausschließlich auf den Pentateuch zu beschränken. Die Gefahr wurde indessen durch das alterprobte Mittel abgewendet: die in Tivoli und Ravenna zusammengekommenen Vertreter der italieni ­ schen Gemeinden brachten eine hohe Geldsumme auf, durch die sie die grollenden Götter des Vatikans leicht umzustimmen vermochten. Die päpstliche Kurie schloß mit der jüdischen Gemeinde von Rom einen schriftlichen Vertrag (x443), in dem den Juden gegen eine alljährlich in der Höhe von n3o Gulden zu entrichtende Toleranz ­ steuer alle altverbrieften Rechte aufs neue verbürgt wurden. Die rö ­ mische Gemeinde bevollmächtigte hierauf den berühmten Arzt und