§ 51. Die zeitweilige Restauration (1Ü15—1U5U) eingeführte Kleiderordnung scheint eben der Prunksucht der Frauen nur wenig Abbruch getan zu haben. Das Schule und Bildung be ­ treffende Kapitel machte es jeder fünfzehn Familien zählenden Ge ­ meinde zur Pflicht, einen Lehrer für den Elementarunterricht anzu ­ stellen, während eine vierzig Familien vereinigende Gemeinde auch noch eine höhere Talmudschule unterhalten mußte und die großen Gemeinden sogar für die Errichtung von Hochschulen („Jeschiboth“) Sorge zu tragen hatten. In ausführlichster Weise sind ferner in dem Statut Rechte und Pflichten der Rabbiner, der „Dajanim“ und sonsti ­ ger von den Gemeinden zu wählender Mitglieder der Kahalverwal- tung geregelt. Die Konferenz von Valladolid erklärte das von ihr gut ­ geheißene Statut für alle kastilischen Gemeinden auf die Dauer von zehn Jahren für verbindlich, so daß es erst nach Ablauf der festge ­ setzten Frist von einer neuen Konferenz einer Revision unterzogen werden durfte. Die Restauration der jüdischen Gemeinden und der in dem Ver ­ halten der Regierung den Juden gegenüber eingetretene Umschwung erfüllte die klerikale Partei mit größtem Unbehagen. Die Söhne des Renegaten Paul von Burgos, von denen Alfons de Cartagena auch den väterlichen Bischofssitz in Burgos geerbt hatte, träumten von der Wiederkehr der Zeiten, da die predigenden Mönche die Juden zu Tau ­ senden der Kirche in die Arme zu treiben vermocht hatten. Ein schwe ­ res Ärgernis war für sie die im Jahre i435 vom Papste Eugen IV. erlassene Bulle, die es den Missionaren untersagte, die christlichen Massen gegen die Juden aufzuhetzen. Bald bot sich Alfons auf dem großen Baseler Konzil, zu dem er aus Kastilien abgeordnet worden war, die Gelegenheit, die „jüdische Frage“ erneut aufs Tapet zu bringen, und es gelang ihm, Papst Eugen IV. die Überzeugung bei ­ zubringen, daß der im Wachsen begriffene Einfluß der spanischen Juden für das Land eine große Gefahr bedeute. Hierauf veröffent ­ lichte der Papst mit Zustimmung des Konzils eine Bulle (i442), durch die er die von Martin V. und von ihm selbst gewährten Er ­ leichterungen widerrief, der Geistlichkeit die weitestgehenden Voll ­ machten für die Entfaltung der Missionstätigkeit verlieh und ihr zu ­ gleich anempfahl, die Befolgung aller kirchlichen Kanons streng ­ stens zu überwachen. Da die wiedereingeführten Repressivmaßnah ­ men, die vor allem jeden Verkehr zwischen Christen und Anders ­ gläubigen unterbinden sollten, sich auch auf die Mauren erstreckten, 363