Der Zusammenbruch des jüdischen Zentrums in Spanien 346 Viele übersiedelten nach Portugal, nach dem maurischen Granada, sowie jenseits Gibraltars, nach Afrika. Zusammengeschmolzen war auch der königliche Schatz, der des größten Teils seiner Einkünfte aus den jüdischen Sondersteuern verlustig gegangen war, da sie nun ­ mehr weder von den Täuflingen, noch von den im Lande verbliebe ­ nen und an den Ruin gebrachten jüdischen Familien entrichtet wur ­ den. Angesichts dieser Notlage entschloß sich der kastilische König Heinrich III. im Jahre i3g5, die Wiederherstellung der zerstörten „Juderien“ schleunigst in Angriff zu nehmen. Er stellte für alle Wühlereien gegen die Juden schwerste Strafen in Aussicht und ließ sogar den Urheber des Gemetzels von Sevilla, Martinez, in Kerker ­ haft nehmen. Bald sah sich indessen der König genötigt, den fana ­ tischen Priester, der im Volke als „Heiliger“ galt, wieder auf freien Fuß zu setzen. Ebenso machtlos stand der König dem Adel gegenüber: er mußte sich den Forderungen der Cortes von Valladolid fügen, wonach den Christen, d. h. den heruntergekommenen Edelleuten, die Hälfte der den jüdischen Gläubigern geschuldeten Beträge erlassen, das Recht der Juden, als Zeugen gegen Christen vor Gericht aufzu ­ treten, bedeutend eingeschränkt und den Juden überdies das Tragen des Sonderzeichens zur Pflicht gemacht werden sollte (i4o5). Der Politik des Königs, die auf die Heilung der dem Staate durch die Ka ­ tastrophe des Jahres 1391 zugefügten Wunden ausging, war somit von vornherein nur ein enger Spielraum gelassen. Unter den von ihm getroffenen Maßnahmen verdient besondere Erwähnung die Er ­ nennung seines Leibarztes Meir Alguadez zum Großrabbiner der ka- stilischen Gemeinden und dessen Betrauung mit dem Wiederaufbau der Juderien und mit der Regelung des Steuerwesens. Alguadez scheint denn auch während der kurzen Regierung Heinrichs III. für die Re ­ stauration der Gemeinden nicht wenig geleistet zu haben. Durch den vorzeitigen Tod des kränklichen Königs (i4o6) wurde indessen das Aufbauwerk jäh unterbrochen: von neuem brach eine Zeit drückender Unruhe an. Infolge der Minderjährigkeit des neuen Königs Juan II. wurde das Land eine Zeitlang durch eine Regentschaft verwaltet, an deren Spitze die der klerikalen Partei mit ganzer Seele ergebene Königin- Mutter Catalina stand. An dem Regentschaftsrat beteiligte sich unter anderen der Bischof Paul von Burgos, der zum Vormund und Er ­ zieher des jugendlichen Königs bestellt war. Dieser Bischof war kein