§ 38. Rabbinismus und konservative Philosophie (Crescas) 271 stilischer Sprache dem König Pedro „Ratschläge und Belehrungen“ erteilte. Santob (Schemtob) stand schon dem Vater des Pedro, Al ­ fons XI., nahe. Im Kreise der Höflinge erschien der freimütige jü ­ dische Dichter gleichsam als Widerspiel zu den Finanzmännern, die den jüdischen Namen durchaus nicht immer in Ehren hielten. Als alterprobter Ratgeber nahm sich Santob die Freiheit, an den jugend ­ lichen König, dessen Leben in Familienzerwürfnissen und Bürger ­ krieg auf ging, gereimte Ermahnungen in Form von Sentenzen zu richten. In seinen mit Bibelversen und talmudischen Sinnsprüchen gewürzten Strophen tadelte Santob die unersättliche Habgier der Men ­ schen und verherrlichte das Wissen als ein „durch Geld nicht zu er ­ werbendes Kleinod“. Bezeichnend für ihn ist die folgende Strophe: „Man schätze mich nicht gering! Welcher reiche Jude könnte mit mir den Wettkampf auf nehmen und singen, was ich singe?“ Den dem Hofe nahestehenden reichen Juden mochten die gerade auf sie ge ­ münzten Moralpredigten ihres Stammesgenossen wohl kaum besonders behagt haben. Dieser spanische Troubadour des XIV. Jahrhunderts ist indessen eine ebenso seltene Ausnahmeerscheinung wie Süßkind von Trimberg im Deutschland des vorhergehenden Jahrhunderts (oben, § 26).