17* 259 § 37. Der „Heilige Krieg ‘ vom Jahre 1391 Nachfolger Juan I. über diese gefährliche Verhetzung des Volkes. Die Könige versäumten denn auch nicht, Martinez die Aufpeitschung der Volksleidenschaften bei Strafe zu verbieten, doch kehrte sich der starrköpfige Fanatiker nicht im geringsten an die königlichen Ermahnungen und berief sich darauf, daß er durch die Bezichtigung der Ungläubigen nur seine christliche Pflicht erfülle. In derselben Weise ließ er sich vor dem Gericht von Sevilla vernehmen, von dem er auf die Beschwerde der jüdischen Gemeinde hin zur Verantwor ­ tung gezogen wurde, wobei er keinen Anstand nahm, auch hier zu wiederholen, daß er die Zerstörung der Synagogen für ein gottge ­ fälliges Werk halte (i388). Der willensschwache König Juan I. nahm in der ganzen Sache eine schwankende Haltung ein: einerseits rühmte er den Eifer des kirchlichen Hetzers, andererseits untersagte er jedoch, den Juden Gewalt anzutun; er wollte gleichsam sowohl den Hunger des Wolfes stillen, als auch die Schafe unversehrt er ­ halten. Mit viel größerer Entschlossenheit handelte der Erzbischof Barroso: er enthob Martinez seines Amtes als Offizial und entzog ihm das Recht der Kirchenpredigt (1889). Bald sollten sich jedoch die Verhältnisse für den klerikalen Gift ­ mischer günstiger gestalten. In ein und demselben Jahre starben Kö ­ nig wie Erzbischof (i3go). Die zu Martinez haltende Priesterschaft wählte ihn zum Stellvertreter des Erzbischofs. Zugleich übernahm die im Namen des unmündigen Königs Heinrich III. auszuübende Regentschaft die Königin-Mutter Leonora, der Martinez als ehemali ­ ger Beichtvater nahestand. Nunmehr war für die Umtriebe des aber ­ witzigen Fanatikers Tür und Tor geöffnet. Zuallererst versandte Mar ­ tinez an alle geistlichen Würdenträger der Diözese von Sevilla ein Rundschreiben mit der Anweisung, „die Synagogen, in denen die Feinde Gottes und der Kirche dem Götzendienst huldigen, bis auf den Grund zu zerstören“ und ihm die synagogalen Geräte als Sieges ­ trophäen zukommen zu lassen. In einigen Städten gingen denn auch die Priester daran, dem Willen ihrer Obrigkeit Genüge zu tun, wäh ­ rend in Sevilla Martinez selbst die. Sache in die Hand nahm. Am i5. März 1391 hielt er eine zündende Rede auf einem von einer un ­ geheuren Menschenmenge überfluteten Platze. Er scheute sich nicht, die Christen von Sevilla in unzweideutigster Weise zu einem Überfall auf die Juden anzufeuern. Schon stürmte die Menge gegen das jüdi ­ sche Viertel, doch gelang es den Stadtbehörden noch im letzten Augen ­