§ 37. Der „Heilige Krieg” vom Jahre 1391 2Ö7 Vorbild das mit fiskalischen Vollmachten ausgestattete Oberrabbiner ­ amt einzuführen, und erhob zu dieser Würde auf Wunsch seiner Gattin Beatrice den aus Portugal eingetroffenen David Negro, wäh ­ rend Leonora auf dem hohen Posten keinen anderen als ihren Ver ­ trauensmann Juda zu sehen wünschte. Bald wurde es bekannt, daß Leonora in eine Verschwörung gegen den kastilischen König ver ­ wickelt sei, woraufhin sie in ein Kloster gesteckt wurde. Auf diese Weise wurde David Negro, der sich auch durch die Aufdeckung der Verschwörung verdient gemacht hatte, seine Widersacher am kastili ­ schen Hofe los. Mittlerweile nahm der Krieg einen für König Juan ungünstigen Ausgang, und er sah sich genötigt, seine An ­ sprüche auf die Krone von Portugal fallen zu lassen. Hierauf wurde zum König von Portugal Juan de Avis ausgerufen, dessen men ­ schenfreundliche Regierung nicht zuletzt den Juden zugutekam. So spielten sich auch in Portugal ähnliche Ereignisse ab, wie wir sie be ­ reits während der dynastischen Zwistigkeiten und des Bürgerkrieges in Kastilien kennen gelernt haben. § 37. Der „Heilige Krieg 6 vom Jahre 1391 Gegen Ende des XIV. Jahrhunderts war die klerikale Reaktion in Spanien und namentlich in Kastilien schon so weit gediehen, daß ihre Urheber nunmehr die Kraft in sich verspürten, zu entscheiden ­ den Taten überzugehen. Die Judenhasser aus der Mitte der Geistlich ­ keit und des Adels malten geflissentlich das Gespenst der „jüdischen Gefahr“ an die Wand: das Anwachsen des jüdischen Besitzes und das von der jüdischen Hochfinanz erlangte politische Ansehen be ­ drohten — so behaupteten sie — die Grundlagen der christlichen Staaten Spaniens, die sich nach schweren Kämpfen wohl von der maurischen Fremdherrschaft, nicht aber von dem Einfluß der im Lande zurückgebliebenen Mauren und Juden zu befreien vermocht hätten. Zur Sicherung des national-christlichen Wesens des Staates gelte es daher — so predigten sie — einen inneren „Heiligen Krieg** zu proklamieren mit dem Losungswort: Säuberung des Landes von den beiden andersgläubigen Bevölkerungselementen. Nun waren aber die Mauren als Kriegsgegner nicht zu unterschätzen: hatten sie doch als Rückendeckung das Reich von Granada hinter sich und darüber hinaus Marokko mit seinen Berberstämmen, die sich selbst gut auf 17 Dubnow, Weltgeschichte des jüdischen Volkes, Bd, V