Die kleineren Zentren und Kolonien im XIII. Jahrhundert 218 regeln war es den Juden gestattet, jede beliebige Ware, auch Lebens ­ mittel, bei den Christen zu kaufen oder ihnen zu verkaufen (Art. 37). Alle diese Rechte und Privilegien sollten nach dem Willen des Fürsten Boleslaw und mit Zustimmung der höchsten Staatswürdenträger: des Woiwoden, der Grafen und „vieler Barone unserer Länder“, die im Jahre 1264 zusammen mit ihm den Erlaß in Kalisch unterzeichnet hatten, für alle Zeiten in ungeminderter Kraft und Geltung bleiben. Die den polnischen Juden verliehene Freiheitscharte konnte den Torwächtern der katholischen Landeskirche nicht gleichgültig blei ­ ben. Ein Staatsakt, in dem die Kirchenkanons fast gänzlich außer acht gelassen waren, erschien gleichsam als eine Herausforderung gegen die Geistlichkeit. Die Kleriker versäumten anscheinend nicht, über die den „Feinden des Christentums“ gewährten Vorrechte in Rom Bericht zu erstatten und zugleich auf die großen Gefahren des jüdi ­ schen Einflusses in ihrem Lande hinzuweisen, wo die kirchliche Hier ­ archie dem Kampfe mit der weltlichen Gewalt noch nicht gewachsen war. Rom war nun der zwischen dem Freibrief des polnischen Für ­ sten und den gleichartigen Erlassen des österreichisch-böhmischen Kö ­ nigs Ottokar und des ungarischen Königs Bela bestehende Zusammen ­ hang keineswegs entgangen, und so erweckte die sich immer mehr ausbreitende Toleranzpolitik der katholischen Herrscher den Juden gegenüber den stärksten Unwillen des Papstes Clemens IV. Als er daher im Jahre 1265 den Kardinallegaten Guido nach Österreich und Polen mit dem Auftrag „zu zerstören und aufzubauen“ entsandte (oben, § 2 4), wurden ihm auch in bezug auf die Juden unzweideutige Instruktionen mit auf den Weg gegeben. Im Februar des Jahres 1267 berief der Legat in Breslau eine Versammlung des polnischen Klerus der Gnesener Diözese, zu der neben einem Teil Schlesiens auch das großpolnische Fürstentum des Boleslaw von Kalisch gehörte. Von den vierzehn Entschließungen dieser Synode waren fünf den Juden gewidmet. Sie enthielten ein ausführliches Reglement, in dem die üblichen von den Kirchenkonzilen proklamierten antijüdi ­ schen Vorschriften noch erheblich verschärft waren. Die diesem Regle ­ ment zugrunde liegenden Motive wurden in einem seiner Artikel mit aller Offenheit zum Ausdruck gebracht: „In Anbetracht dessen, daß Polen auf dem Boden des Christentums eine neue Anpflanzung dar ­ stellt (in corpore christianitatis nova plantatio), steht zu befürchten, daß sich die christliche Bevölkerung hier, wo die christliche Religion