Die kleineren Zentren und Kolonien im XIII. Jahrhundert 210 nur eine verwerfliche, sondern auch eine unkluge Gewohnheit, die alles Lächerliche an dem Menschen bloßstelle: „Solange der Topf nicht kocht, weiß keiner, was darin ist, sobald er aber aufbraust und überläuft, kommt alles zum Vorschein“. Zu einer Zeit, da die Kirche die Tugend der Armut verherrlichte, scheute sich der jüdische Mo ­ ralist nicht, gerade in der Heimat der franziskanischen Bettelmönche die Vorzüge des Reichtums hervorzuheben, der Muße für geistige Arbeit gewähre und die Wohltätigkeit fördere: „Das Beste im Leben — so läßt er sich vernehmen — ist Wissen mit Reichtum gepaart: die Auserlesenen werden dich wegen dessen schätzen, was dein Kopf birgt, die Menge aber für das, was du in deiner Hand hast“. Trotz der Abneigung vieler italienischer Rabbiner gegen die Philo ­ sophie und die weltlichen Wissenschaften konnte Italien dennoch von der allgemeinen geistigen Bewegung des Jahrhunderts nicht unberührt bleiben. Neben dem nordfranzösischen Einfluß machte sich hier eben auch die Einwirkung der spanisch-provenzalischen Aufklärungsbewe ­ gung bemerkbar. Die Lehren des Maimonides bahnten sich namentlich nach Süditalien den Weg, wo in Neapel der bereits erwähnte Jakob Anatoli seine Tätigkeit entfaltete, dessen religionsphilosophische Sabbatvorträge unter den italienischen Orthodoxen so großen An ­ stoß erregten (oben, § 16). Die von dem provenzalischen Aufklärer ausgestreute Saat fiel trotzdem nicht auf steinigen Boden. Schon um die Mitte des XIII. Jahrhunderts ersteht in Italien ein selbständiger Kommentator des „Führers“ des Maimonides, Moses aus Salerno. Unter dem Eindruck des zwischen den Maimonisten und ihren Geg ­ nern in der Provence ausgefochtenen Kampfes, der mit der Verbren ­ nung des „Führers“ endete (oben, § i3), entschloß sich der Gelehrte von Salerno, in der am heißesten umstrittenen Frage über die Anthro ­ pomorphismen mit aller Entschiedenheit für die Maimonisten Partei zu ergreifen. Er bedauerte aufs tiefste die Ignoranz der Massen, „die sich Gott in Menschengestalt, mit Augen, Händen und Füßen vor ­ stellen und jeden vernünftig denkenden Menschen, der zu behaupten wagt, daß man die scheinbare Materialisierung der Gottheit in der Schrift nicht wörtlich verstehen dürfe, als gottlos erachten“. Die Anti ­ maimonisten hätten sich an dem Andenken des großen Denkers schwer versündigt: hat er doch „einen Festungswall um die Thora errichtet (den Kodex ,Mischne-Thora‘), Augen und Herz Israels erleuchtet und uns mit Beweggründen versehen, mit denen wir unsere Gegner,