Die kleineren Zentren und Kolonien im XIII. Jahrhundert .206 der Bischöfe sowie dem Klerus der großen Kirchen und Klöster unter ­ stellt, denen sie einstmals von den normannischen Herrschern, den Vasallen der römischen Päpste, als „Geschenk“ überantwortet worden waren. Zwar hatte Friedrich II. mit dieser Vasallenabhängigkeit von Rom gründlich gebrochen, doch sollten nach seinem Tode in Süd ­ italien tief einschneidende Änderungen eintreten. Es entbrannte ein Kampf um das italienische Erbe, der sich über mehr als dreißig Jahre hinziehen sollte. Der erste Akt dieses Kampfes endete mit dem Untergange der Staufer und dem Übergang der Macht an die von Karl von Anjou geführten Franzosen (1266—1282). Als Schützling des römischen Papstes mußte Karl den Forderungen der Kirche Genüge tun, zugleich sah er sich aber in seiner Geldnot ge ­ zwungen, auch den Interessen der Finanzpolitik, in der die Juden eine nicht unerhebliche Rolle spielten, in jeder Weise Rechnung zu tragen. So wurde denn die Stellungnahme des neuen Königs von Neapel und Sizilien zu den Juden gleichsam durch die Resultante zweier sich kreu ­ zenden Komponenten bestimmt. Ein Förderer der in seinem Macht ­ bereich gegen die Ketzer wütenden Inquisition, begünstigte Karl zu ­ gleich die von den Dominikanern unter den italienischen Juden ent ­ faltete Missionstätigkeit, ganz so wie es sein Bruder Ludwig der Hei ­ lige in Frankreich tat. Auch in Italien fehlte es nicht an einem Pablo Christiani, einem vor den Mönchen kriechenden Renegaten. Es war dies der aus Trani stammende Manufortis, der nach seinem Übertritt zum Christentum auch seine Stammesgenossen durch den neuen Glau ­ ben zu erleuchten trachtete. Seine Bemühungen blieben denn auch nicht unbelohnt: Karl befahl, dem Überläufer „für den Eifer, mit dem er andere Juden auf den Weg der Wahrheit zu weisen bestrebt war“, eine Jahresrente in Höhe von sechs Unzen Gold aus den Ein ­ künften der monopolisierten Färberei zu Trani auszuzahlen (1267). Auf die Denunziation dieses Renegaten, des „ehemaligen Juden und Synagogenvorstehers“, hin ordnete der König außerdem an, daß den Juden alle Talmudschriften, ja sogar die Gebetbücher weggenommen würden (1270). Die Geistlichkeit hatte scharf darauf aufzupassen, daß es zwischen Juden und Christen verschiedenen Geschlechtes nicht zu „sündhaftem Verkehr“ komme und daß den Kirchen regelmäßig der zehnte Teil der bei den Juden erhobenen Kopfsteuer zugeführt werde. Andererseits nahm jedoch Karl von Anjou die ihm tribut ­