§ 22. Das Interregnum (125U—1273) 167 schwerde des Straßburger Bischofs über die Beeinträchtigung seiner finanziellen Hoheitsrechte hervorgeht (1261). Indessen gab es auch unter den kirchlichen Lehensherren nicht wenig untreue Hirten, die die von ihnen Betreuten nicht nur zu sche ­ ren, sondern auch zu schinden pflegten. In solcher Weise verfuhr z. B. der Magdeburger Erzbischof Robert (oder Ruprecht). Nach sei ­ ner Rückkehr aus Rom, wo er für die Erwerbung seiner geistlichen Würde viel Geld ausgegeben hatte, beschloß dieser mustergültige Seelenhirt, sich an den ihm Untertanen Juden schadlos zu halten. An einem Sukkothtage (1261) überfiel er mit einem Dienertrupp den „Judendorf“ genannten jüdischen Vorort von Magdeburg, raffte eine Menge Geld, Silber und Goldgeräte zusammen und ließ überdies zu Erpressungszwecken die wohlhabendsten jüdischen Einwohner ver ­ haften. Einen ähnlichen Überfall unternahm er auch auf die Juden von Halle, das gleichfalls zu dem Magdeburger Episkopat zählte. Hier traten jedoch dem räuberischen Bischof die Bürger entgegen und erklärten, daß sich die Stadt zur Verteidigung der Juden ver ­ traglich verpflichtet hätte und ihren Vertragspflichten getreu nach- kommen werde. Der Erzbischof rief nun den Beistand der ihm ver ­ wandten Grafen von Mansfeld an und belagerte die Stadt, während sich der Bürgerschaft Herzog Albert von Braunschweig anschloß. Es kam zu einer Schlacht, bei der der Herzog in Gefangenschaft geriet, und so fiel Halle der Raubgier des Bischofs zum Opfer. Die Beute, die diesem Raubritter im Priesterornat bei seinen beiden Streifzügen in die Hände fiel, erreichte die ansehnliche Summe von 100000 Mark. Die von den jüdischen Stadtbewohnern an die Bürgerschaft abge ­ führten Abgaben bestanden entweder in einer bestimmten Jahressteuer oder aber in Beiträgen für die außerordentlichen städtischen Aus ­ gaben, wie etwa zur Verteidigung gegen feindliche Überfälle. In sol ­ chen Fällen wurden die Juden auch zu Naturalleistungen angehalten. So rüsteten sie in Regensburg in den Jahren i25i—1252 Krieger ­ scharen zur Bewachung der städtischen Festungswerke aus. Auch in Worms händigten sie der Bürgerschaft zweimal erhebliche Geldsum ­ men zur Anwerbung von Schutztruppen ein (1259 und 1271). Ihre Treue wurde dadurch belohnt, daß die Bestimmungen aller in jener unruhvollen Zeit von den lehensherrlichen und städtischen Behörden abgeschlossenen Landfriedensverträge auch auf die jüdischen Gemein ­