Die geistigen Strömungen im XIII. Jahrhundert Vorwürfe, Salomo damit zu entschuldigen versuchte, daß dieser sich zu seiner Untat durch die Feindseligkeit der Gegenpartei habe hin ­ reißen lassen. Die Agitation der Orthodoxen zog bald für einige von den Ver ­ fechtern der Rechtgläubigkeit überaus traurige Folgen nach sich. Den Maimonisten gelang es nämlich, die Zeugen, die die Anklage gegen die verurteilten Bücher vor dem Inquisitionsgericht unterstützt hatten, des Meineids zu überführen. Man vermutet, daß es die am Hofe des Gebieters von Montpellier, des aragonischen Königs Jakobs I., ein ­ flußreichen Juden (Bahiel Alkonstantini u. a.) waren, die sich die Be ­ strafung der Schuldigen besonders angelegen sein ließen. Die des fal ­ schen Zeugnisses Überführten mußten ihr Vergehen aufs schwerste büßen: es wurde ihnen, laut gerichtlichem Urteilsspruch, die Zunge abgeschnitten. Einer der Maimonisten wandte auf die Verurteilten den biblischen Vers an: „Ihr Mund richtete sich gegen den Himmel, nun schleppt ihre Zunge im Staube“. Was aus Salomo selbst, dem Urheber des ganzen Streites, geworden ist, bleibt unbekannt. Von seinem Kampfgenossen Jona Gerondi wissen wir dagegen, daß er seine Tat später aufrichtig bereute. Es geschah dies einige Jahre nach der Ver ­ brennung der Bücher des Maimonides in Montpellier und Paris, als in der französischen Hauptstadt nach der bereits geschilderten Dis ­ putation über das talmudische Schrifttum auch Talmudbücher auf einem Pariser Platze öffentlich verbrannt wurden (oben, § 4)- Das Autodafe machte auf Jona Gerondi einen erschütternden Eindruck: in dem Scheiterhaufen für die talmudischen Bücher erblickte er eine Strafe Gottes für die von ihm und seinen Gesinnungsgenossen durch die Vermittlung derselben Dominikaner herbeigeführte Ver ­ brennung der Werke des Maimonides. Der fromme Rabbiner legte sich nun eine schwere Buße auf, um die an dem Andenken des gro ­ ßen Mannes begangene Sünde zu sühnen. Er kam nach Montpellier und legte in der Synagoge vor der versammelten Gemeinde ein Buß ­ bekenntnis ab, indem er ausrief: „Moses (Maimonides) hat recht und seine Lehre ist gerecht, wir aber lügen!“ Darauf zog Jona von Stadt zu Stadt, um sich überall derselben Bußzeremonie zu unterziehen. Zu ­ gleich tat er das Gelübde, nach dem Orient zum Grabe des Maimoni ­ des zu wallfahrten, um bei dem Verstorbenen Vergebung zu erflehen. Doch war es ihm nicht beschieden, seinen Plan auszuführen: auf sei-