§11. Die autonome Gemeinde (Aljama) 87 gelöst wie in diesem Lande, wo rings um den Thron des klugen und energischen Monarchen die dominikanische Inquisition ihre Ränke schmiedete. § 11. Die autonome Gemeinde (Aljama) Im XIII. Jahrhundert lebten die Juden überall in Aragonien ab ­ gesondert von den Christen in besonderen Straßen. Im jüdischen Vier ­ tel (Call judaicum, Juderia) gab es zwar hie und da einzelne christ ­ liche Häuser, doch gingen auch diese nach und nach in jüdische Hände über (einem Befehle Jakobs I. gemäß durften nämlich solche Häuser ausschließlich an Juden verkauft werden). An manchen Orten führte ein besonderer Toreingang in der Stadtmauer oder am Ende der be ­ treffenden Straßen in das jüdische Viertel, so daß der ganze Stadt ­ teil in Notfällen von der Außenwelt abgesperrt werden konnte. Die territorial in der „Juderia“ zusammengefaßte Gemeinde war durch die nationale Selbstverwaltung in gewissem Maße auch politisch zu einer Einheit verbunden. Die jüdische Gemeinde, in Spanien „Al ­ jama“ oder „Alhama“ 1 ) genannt, galt seit der Zeit Jakobs I. als eine völlig autonome Organisation, die ihre eigenen gewählten Vorsteher sowie ihre besonderen administrativen und gerichtlichen Behörden be ­ saß. Dem König und seinen Provinzialstatthaltern stand nur das Recht der Bestätigung und der Kontrolle der von der Gemeinde ernannten Amtspersonen zu. Aus den erhalten gebliebenen zahlreichen Urkunden ist indessen zu ersehen, daß der König, der auf die jüdische Selbst ­ verwaltung ein scharfes Auge hatte, zuweilen keinen Anstand nahm, in die Gemeindeangelegenheiten selbstherrlich einzugreifen. Die Re ­ gister der zu bestätigenden neuerwählten Gemeindeältesten oder „Adel- antados“ wurden von ihm auf das sorgfältigste geprüft. Auch die Rabbiner und die nach jüdischen Gesetzesnormen („asuna“) Recht sprechenden Richter mußten von dem König in ihrem Amte bestätigt werden. Überdies bedurften die wichtigeren Beschlüsse des Gemeinde ­ rates der königlichen Konfirmierung; nötigenfalls regte der König auch selbst die Beschlußfassung über neue Maßnahmen an, die er 1) Das Wort „aljama“ rührt von dem arabischen „al-djamaa“ her, das in der Form: „djamaa-al-jehud“ als Bezeichnung für die jüdische Gemeinde oder deren Gemeinderat gebräuchlich war. Von den Spaniern übernommen, wurde das Wort der kastilischen Aussprache des Lautes j gemäß „alhama“ ausgesprochen, wie dies aus seiner lateinischen Transkription in einem aus dem Jahre 1268 stam ­ menden Dekret Jakobs I. zu ersehen ist.