§ 7. Die Not der englischen Juden unter Heinrich III. 59 schließlich und erlegte die geforderte Summe. Unter einer solchen, Willkürherrschaft konnte der innere Aufbau der jüdischen Gemein ­ den in England naturgemäß keine Fortschritte machen. Aus vielen Ge ­ meinden wanderten die Rabbiner und Gelehrten, die hier kein Be ­ tätigungsfeld fanden, mitsamt einer Gruppe ihrer französischen Kol ­ legen aus der Tossafistenschule nach Palästina aus (1211). Wenig be ­ neidenswert war die Lage der Juden während des berühmten von den Baronen und den Städten gegen Johann ohne Land angezettelten Auf ­ standes, der die Begründung der englischen parlamentarischen Ver ­ fassung im Gefolge hatte. Das Heer der Barone zerstörte nämlich in London die jüdischen Häuser und verwandte das Baumaterial zur Be ­ festigung der Stadtmauern, während der jüdische Besitz, der als königliches Eigentum galt, eingezogen wurde. Als es den Aufständi ­ schen schließlich gelungen war, Johann die Konstitution, die „Magna Charta libertatum“, abzuzwingen (1215), wurde in diese auf Kosten der jüdischen Gläubiger auch manche vornehmlich den freiherrlichen Schuldnern zugute kommende Vergünstigung mit aufgenommen (so hafteten die Rechtsnachfolger des verstorbenen Schuldners nur mit jenem Teile des Nachlasses, der nach Abzug der für den standesge ­ mäßen Lebensunterhalt der Witwe und der Waisen unentbehrlichen Mittel übrigblieb). § 7. Die Not der englischen Juden unter Heinrich III. Die lange Regierung Heinrichs III. (1216—1272) stellt in der Geschichte der englischen Judenheit den unheilvollsten Abschnitt dar. Es war dies die unausbleibliche Folge des diese Epoche ganz ausfül ­ lenden Kampfes zwischen König und Ständen. Die sich auf die Juden erstreckende königliche „Schutzherrschaft“ versetzte die Schutzbefoh ­ lenen, abgesehen davon, daß sie ihnen teuer zu stehen kam, auch noch in eine überaus prekäre Lage unter den übrigen Bevölkerungsschich ­ ten. Die Feindseligkeit gegen den König griff zugleich auch auf die „königlichen Leute“ über. Die ihre Autonomie gegen die Anschläge der königlichen Gewalt verteidigende städtische Bevölkerung sah mit Unwillen auf die in ihrer Mitte lebende fremdstämmige Bürgergruppe herab, welche von der verhaßten Gewalt völlig abhängig war und schon dadurch allein der Homogenität der sich selbst verwaltenden Stadt Abbruch tat; der dem König feindliche Adel haßte aber die Ju-