Das französische Zentrum und die englische Kolonie 5o angelegenheiten einen Riegel vorzuschieben. Indessen handelte er so durchaus nicht aus einer liberalen Gesinnung, sondern einzig und allein aus dem Grunde, weil er keine Macht neben der seinigen, keine Nebenbuhler in der Ausbeutung seiner Untertanen dulden wollte ; nicht das grausame Walten der Inquisition, sondern das ihr zustehende Recht, das Vermögen der Verurteilten einzuziehen — dies war es, was ihm diese Institution, die ihn eines Teiles des Vermögens seiner Unter ­ tanen beraubte, überaus verhaßt machte. Dies der Grund, wes ­ halb Philipp IV. nach der geschilderten Tragödie von Troyes der In ­ quisition die Aburteilung der Juden ohne Zustimmung der könig ­ lichen Behörden für die Zukunft untersagte und seinen Beamten auch späterhin mehrmals einschärfte, die Verhaftung der Juden auf Ver ­ langen der Mönche, ja sogar hoher kirchlicher Behörden, erst dann zu genehmigen, wenn sie sich überzeugt hätten, daß für die betref ­ fende Angelegenheit der königliche Rat nicht zuständig sei (1288, 1291, i3o2). Daß der König desungeachtet dem dunkelsten Aber ­ glauben der Menge in bezug auf das Judentum vorbehaltlos frönte, ist schon daraus zu ersehen, daß während seiner Regierung und zwei ­ fellos mit seiner Zustimmung in Paris anläßlich der bereits erwähn ­ ten Hostienschändung zwei Juden den Flammen preisgegeben wurden. Auch schrieb er seinen Beamten in einem besonderen Dekret (1299) vor, auf Verlangen der „Inquisition in Sachen der ketzerischen Seuche“ Juden, die der Verführung von Christen zum Judentum oder der Schän ­ dung des „allerheiligsten Leibes Christi“ (der Hostie) verdächtigt wür ­ den, „zu verhaften, in den Kerker zu werfen, von Gefängnis zu Gefäng ­ nis zu geleiten und nach den Gesetzen des apostolischen Stuhles zu be ­ strafen“. In demselben Dekret zählt der König weitere „Verbrechen“ der Juden auf: sie verbergen in ihren Häusern flüchtige Ketzer, errich ­ ten neue Synagogen, in denen sie allzu laut beten, und verbreiten über ­ dies die verdammten Talmudbücher mit den „gotteslästerlichen“ Äuße ­ rungen über die Jungfrau Maria. Überhaupt war Philipp IV. seiner ganzen Gesinnung nach wie dazu geschaffen, im Kampfe gegen die Juden mit der Inquisition Hand in Hand zu gehen; was ihn mit dieser entzweite, Avar nur seine grenzenlose Gier, nach der ihm bei seinen jüdischen Untertanen winkenden Beute. Auch aus dem Gesetz über das jüdische Abzeichen wußte der unersättliche König Kapital zu schlagen: er ordnete an, daß denen, die das Schandmal nicht tragen wollten, eine Geldbuße auf erlegt werde (1288). Ferner bestätigte er