Das französische Zentrum und die englische Kolonie Abendmahlbrotes, ein jüdisches Ehepaar auf dem Scheiterhaufen ver ­ brannt. Im Volke kam die unsinnige Mär in Umlauf, aus der durch ­ stochenen Hostie hätte sich ein Blutstrom ergossen, das Blut des sich im Kirchenbrote in mystischer Weise verkörpernden Leibes Christi. Das „Wunder“ wurde in Balladen verherrlicht und sein Schauplatz, die Kirche in der Rue de Billettes, lockte viele Wallfahrer mit reichen Weihgaben herbei. Zu diesem Ziele wird wohl auch der ganze jü ­ dische Prozeß inszeniert worden sein. Zwei Juden mußten aber um des Ruhmes des eucharistischen Dogmas willen ihr Leben auf dem Scheiterhaufen lassen. § 5. Philipp der Schöne und die Vertreihung im Jahre 1306 Im Gegensatz zu dem frommen Ludwig IX. und dem gottlosen Philipp dem Schönen, die einen aktiven Judenhaß an den Tag legten, stand der in der Zwischenzeit regierende Philipp III. der Kühne (1270—85) den Juden durchaus gleichgültig gegenüber. Die Persön ­ lichkeit des Königs spielte bei den unter ihm gegen die Juden ergrif ­ fenen Maßnahmen keine Rolle: die königliche Gewalt begnügte sich damit, unter die Verordnungen der Kirchenbehörden, die in diesem Zeitraum die judenfeindlichen Kanons mit besonderem Erfolg durch ­ zuführen vermochten, nur ihr Siegel zu setzen. So erneuerte Phi ­ lipp III. im Jahre 1271, auf die Forderung des Klerus hin, das De ­ kret Ludwigs des Heiligen über die Stigmatisierung der Juden durch rundförmige Sonderzeichen und gemahnte einige Jahre später an die Befolgung der Kirchenkanons, die den Juden die Anstellung christli ­ cher Ammen, den Verkauf von Fleisch an Christen sowie das gemein ­ same Baden mit diesen u. dgl. m. untersagten. Mit dem Segen der römi ­ schen Päpste entfaltete um jene Zeit der Dominikanerorden und das geistliche Inquisitionsgericht auf französischem Boden eine überaus intensive Tätigkeit, die sich auch den Juden in immer steigenderem Maße fühlbar zu machen begann. Schon im Jahre 1267 erließ der Papst Clemens IV. eine Bulle („Turbato corde“), in der er den Ketzer ­ richtern aus der „geliebten Bruderschaft des Prediger- und Minoriten- ordens“ den Befehl erteilte, nicht nur die zum Judentum verführten Christen, sondern auch ihre Verführer, die Juden, nach Kräften zu verfolgen. Als „verführte Christen“ galten aber gewöhnlich jene ge ­ tauften Juden, die in ihrer Not zum Scheine das Christentum annah ­