Das französische Zentrum und die englische Kolonie 46 Juden gelang es, wie schon so oft, sich auch von den neuen Be ­ drückungsmaßnahmen loszukaufen. Auch diesmal konnten sie sich für einen bestimmten Tribut den Beistand der weltlichen Macht sichern. Das Talmudstudium auf den Rabbinerschulen Frankreichs war allerdings für einige Zeit lahmgelegt, da viele Rabbiner und Ge ­ lehrte das Land inzwischen verlassen hatten. Unter den Auswanderern befand sich auch der bei der Pariser Disputation hervorgetretene R. Jechiel, der nach Palästina übersiedelte (1259). Die die jüdischen Bücher dem Feuer preisgebende dominikanische Inquisition ließ zuweilen auch die Juden selbst in den Flammen um ­ kommen. Ein erschütternder Vorfall ereignete sich im Jahre 1288 in der Stadt Troyes, der Heimatstadt des Raschi und der Wiege des Tal ­ mudstudiums in Frankreich. Am Karfreitag, den 26. März, der mit dem vorletzten Tage des jüdischen Passah zusammenfiel, brach der wohl durch die Passionspredigten aufgestachelte christliche Mob in das Haus des reichen und gelehrten Juden Isaak Chatelin ein in der Absicht, „den Tod des Erlösers zu rächen“. Wie aus Andeutungen in den anläßlich der Katastrophe verfaßten Elegien zu entnehmen ist, hatten Hetzer in heimtückischer Weise die Leiche eines Christen im Hause des Chatelin versteckt, um sodann die erregte Menge zur Auf ­ deckung des „jüdischen Verbrechens“ dorthin zu führen. Das Haus wurde bis auf die Mauern ausgeplündert, während sein Eigentümer mitsamt seiner ganzen Familie und noch acht Gemeindemitgliedern verhaftet und der dominikanischen Inquisition überliefert wurde. Das Inquisitionsgericht bezichtigte die Juden des Ritualmordes und ver ­ urteilte dreizehn von ihnen zum Feuertode. Die Richter erklärten sich allerdings bereit, denen, die die Taufe annehmen würden, das Leben zu schenken, doch wiesen die Juden dieses Ansinnen ohne Zaudern zurück. So wurde denn am 2 4- April die öffentliche Hinrichtung voll ­ zogen. Das erschütternde Martyrium ist in vier zeitgenössischen Ele ­ gien verewigt, von denen drei in hebräischer Sprache abgefaßt sind, während die vierte in altfranzösischer Mundart, jedoch gleichfalls in hebräischer Schrift festgehalten ist. Als erste bestiegen den Schei ­ terhaufen Isaak Chatelin und seine Familie: seine schwangere Frau, zwei Söhne und eine Schwiegertochter. Die Hände auf dem Rücken gefesselt und laut Psalmen singend, gingen sie in den Tod. Schon wird Isaak ins Feuer geworfen, „so reich an Gütern, der ruhmreiche Schöpfer von Tossafoth und ein Meister der Bibelauslegung“. Bei die ­