§ 3. Die Juden unter Ludwig dem Heiligen 29 weiteres zu haben. Ein Streiter der Kirche, erblickte er in der Ver ­ folgung der Ketzer und Andersgläubigen seinen wahren Beruf; Kreuz ­ züge, äußere wie innere, waren der Traum seines Lebens. Von Natur gutmütig, war er indessen in Sachen des Glaubens unerbittlich. Er träumte von einer Bekehrung der Juden zum Christentum und grün ­ dete eine Sonderstiftung zur Unterstützung der Neubekehrten. Be ­ sonders befürchtete er aber die Beeinflussung der Christen durch das Judentum und empfahl daher den Laien, sich mit den Juden in keiner ­ lei Erörterungen religiöser Fragen einzulassen. Der Freund Ludwigs und Chronograph seiner Regierungszeit Joinville berichtet über den folgenden Vorfall. Im Kloster von Cluny kam es einst zu einer reli ­ giösen Disputation zwischen Mönchen und Juden. Ein als Gast im Kloster weilender Ritter fragte bei dieser Gelegenheit einen Rabbiner, ob dieser daran glaube, daß die Jungfrau Maria die Mutter Gottes sei. Der Rabbiner verneinte es. „Dann ist es ja ein Wahnsinn — rief der Ritter aus —, daß ihr im Hause der Heiligen Jungfrau erscheint, an die ihr nicht glaubt und die euch verhaßt ist!“ Darauf überfiel er den Rabbiner und schlug so heftig mit einem Stock auf ihn ein, daß seine Stammesgenossen ihn schwer verletzt aus dem Kloster forttragen mußten. Als der König von diesem für die Kirche so ruhmvollen Aus ­ gang des Streites erfuhr, sagte er: „Mögen allenfalls die sanft ­ mütigen Priester mit den Juden disputieren; ein Laie, in dessen Gegenwart die christliche Religion verhöhnt wird, soll sie hingegen mit seinem Schwerte verteidigen und die scharfe Klinge, so tief es geht, in den Leib des Gotteslästerers stoßen“. Der gekrönte Kreuzritter selbst fand sich in der Tat immer bereit, gegen das Judentum, das in Frankreich eine bedeutende soziale und wirtschaftliche Macht dar ­ stellte, das Schwert des Gesetzes zu ziehen; allerdings stand ihm hier ­ bei die wirtschaftliche Ordnung des Landes im Wege und dieses Hin ­ dernis vermochte auch der allgewaltige Monarch nicht zu überwinden. In dem von einer Versammlung der Staatswürden träger in Melun ausgearbeiteten Statut (ia3o) wurde kundgetan, daß der König „um seines eigenen Seelenheils und um der Verherrlichung des Andenkens seines Vaters und seiner Vorgänger willen“ gemeinsam mit den Ba ­ ronen beschlossen habe, den Juden künftighin das Ausleihen von Geld auf Zinsen gegen Schuldbriefe sowie die Beitreibung von Schulden auf gerichtlichem Wege zu untersagen. Zugleich wurden die Juden endgültig an ihre Herren gefesselt, da die Bestimmung getroffen