Das französische Zentrum und die englische Kolonie haben sie denn ganz jenen Beinamen „Wachhunde der Kirche“ ver ­ dient, der ihnen auf Grund einer parodierenden Deutung des Ordens ­ namens („Domini — canes“: Hunde des Herrn) beigelegt zu werden pflegte. Mit besonderem Eifer beteiligten sie sich an der kirchlichen Inquisition. Das geistliche Inquisitionsgericht, vom Papste Gregor IX. unterstützt, entfaltete nämlich im zweiten Viertel des XIII. Jahrhun ­ derts, während der Regierungszeit Ludwigs des Heiligen, eine immer weiter um sich greifende Tätigkeit. An verschiedenen Orten wurden von den Päpsten und Bischöfen Untersuchungsrichter („inquisitores“) aus dem Kreise der Mönche, vornehmlich der Dominikaner oder Fran ­ ziskaner, ernannt, die nach den Überresten der ketzerischen Albigenser zu fahnden wie überhaupt jeden Fall einer Abweichung vom rechten Glauben ans Tageslicht zu fördern hatten. Das geheime Ermittlungs ­ verfahren, das Verhör auf der Folterbank, der Urteilsspruch nach Gutdünken der fanatischen Richter, die Übergabe der Verurteilten in die Hände der weltlichen Gewalt („brachium saeculare“) zur Ver ­ brennung auf dem Scheiterhaufen — alle diese später in Spanien mit so großer Virtuosität ausgebildeten Verfahrensweisen der inquisitori ­ schen Justiz hatten sich in Frankreich bereits während der behandelten Epoche voll eingebürgert. Die „das Blut verabscheuende Kirche“ („Ecclesia abhorret a sanguine“) beschränkte sich nämlich darauf, die verstockten Sünder aufzuspüren und sie zu richten, während sie die Vollstreckung der Urteils den Laien überließ. Die von den Domi ­ nikanern und Franziskanern geleitete päpstliche und bischöfliche In ­ quisition verübte im Laufe des XIII. Jahrhunderts zuerst im Süden und später auch in allen anderen Gegenden Frankreichs die fürchter ­ lichsten Greueltaten. Zunächst nur zur Aburteilung der ketzerischen Christen eingesetzt, zog dieses blutige Gericht nach und nach auch die Juden in seine Schlingen. Bald brannten auf den von d,er streit ­ baren Kirche errichteten Scheiterhaufen die ihr unliebsamen jüdischen Bücher und zuweilen auch die Juden selbst, die von den Mönchen in heimtückischer Weise der Ritualmordlüge zum Opfer gebracht wurden. § 3. Die königlichen und seigneurialen Juden unter Ludwig dem Heiligen Der Religionskrieg in Südfrankreich führte zu einer engeren Ver ­ bindung zwischen Nord und Süd. Die Provence und das Languedoc, die sich ehedem unter der Regierung der Grafen aus dem Geschlechte 26