§ 2. Der innere Kreuzzug und die Lateransynode 25 gewand aufgenähte Fleck aus einem runden, vier Finger breiten, gel ­ ben Stofflappen bestand, in dessen Mitte ein schwarzer Tuchstreifen in Form einer Mondsichel angebracht war. Die Nachrichten beziehen sich allem Anscheine nach auf die Regierungszeit Ludwigs des Heili ­ gen, als die Renegaten ihren Stammesgenossen arg zusetzten. Die Päpste Gregor IX. und Innocenz IV. ermahnten die weltlichen Macht ­ haber, den Juden das Tragen der Merkzeichen keinesfalls zu erlassen. So gab Innocenz IV. im Jahre 1248 seinem Unwillen darüber Aus ­ druck, daß die Juden an manchen Orten runde breitrandige Hüte nach Art der Priester trügen, so daß die christliche Bevölkerung ihnen irr ­ tümlicherweise „ungebührliche Ehrerbietung“ erweise. Um solchen Verwechslungen vorzubeugen, verlangte nun der Papst, daß sich die Juden „nicht nur von den Klerikern, sondern auch von den Laien“ in ihrer Tracht unterscheiden sollten. Der Religionskrieg hinterließ im Süden Frankreichs ein trauriges Erbe in Gestalt zweier neuer Institutionen: des Dominikanerordens und des Tribunals der „heiligen Inquisition“. Einer der Mitstreiter in diesem Kriege und Missionar des Katholizismus unter den Ketzern, der gestrenge spanische Mönch Dominikus stiftete nämlich im Jahre 1215, von Innocenz III. unterstützt, einen Orden der „predigenden Brüder“. Ursprünglich beschränkte sich der Mönchsorden darauf, den Laien die katholische Lehre zu predigen und die Schwankenden auf den rechten Weg zu weisen, später gingen indessen die Dominikaner von Worten zu Taten über, nahmen regsten Anteil an der Ermittlung und Verfolgung der Ketzer und daneben auch der Andersgläubigen. In ganz kurzer Zeit gelangte der Dominikanerorden wie auch der gleichzeitig gestiftete Orden der Franziskaner oder der „Bettelbrüder“ (der „Minoriten“) in Frankreich, Spanien und anderen Ländern zu höchstem Ansehen und Einfluß. Viele Klöster, Schulen und sonstige öffentliche Institutionen standen unter ihrer Obhut. Den Hauptstütz ­ punkt der Dominikaner bildete das Jakobiterkloster in Paris, weshalb denn auch die Ordensbrüder im jüdischen Schrifttum nicht, selten „Jakobiter“ genannt werden; auch an der Pariser Universität, dieser Hauptpflanzstätte katholischer Theologie, faßten sie bald festen Fuß. Die Dominikaner waren große Liebhaber religiöser Disputationen, in die sie nicht selten auch Juden verwickelten. Zugleich lagen sie stets auf der Lauer, um den Ketzern, den Freidenkern, den Judaisierenden sowie ihren „Verführern“ aus der Mitte der Juden aufzuspüren. So