20 schlitterten Kirche zu beschließen. Die jüdische Frage schien hierbei mit diesen Hauptaufgaben so unzertrennlich verbunden zu sein, daß fünf unter den siebzig vom Konzil auf gestellten Kanons ihr speziell gewidmet sind. Durch diese kirchliche „Kanonade“ glaubte man die inmitten der christlichen Welt ragende Feste des Judentums in Trüm ­ mer legen zu können. Das Feuer wurde vor allem gegen die wirt ­ schaftliche Position der Juden, gegen die von ihnen betriebenen Kredit ­ geschäfte eröffnet. „Je entschiedener die Christen kraft der Gebote ihrer Religion von der Zinserhebung bei Gelddarlehen Abstand neh- — heißt es in einem der Kanons — „um so eifriger geben men sich mit derartigen Geschäften die ungläubigen Juden ab, um in kür ­ zester Frist christliches Hab und Gut zu verschlingen. Um die Chri ­ sten vor der Bedrückung seitens der Juden zu beschützen, treffen wir daher durch Konzilbeschluß die folgende Verfügung: Sollten die Ju ­ den den Christen unter irgendeinem Vorwände beschwerliche und un ­ mäßige Zinsen abpressen, so sollen ihnen jegliche Geschäftsbeziehun ­ gen mit Christen, solange sie diese von der unerträglichen Last nicht befreit haben werden, untersagt bleiben“. Die Kontrolle über die Ein ­ haltung dieser Vorschrift stand der kirchlichen Gewalt zu, die dabei von der weltlichen unterstützt werden sollte. Des weiteren läßt sich die Geistlichkeit schon pro domo aus: „Die Juden müssen dazu angehal ­ ten werden, den Kirchen den Zehnten und die obligatorischen Ab ­ gaben zu ersetzen, die sie von den christlichen Hausbesitzern und den Eigentümern sonstiger Liegenschaften vor dem Übergang (dieser Gü ­ ter) in jüdische Hände bezogen, damit die Kirche keine Vermögens ­ einbuße erleide“. Auf diese Weise wurde die Entrichtung des Zehn ­ ten zugunsten der Kirche den Juden überall zur gesetzlichen Pflicht gemacht, während sie ehedem nur an einigen Orten dazu gezwungen zu werden pflegten. Die von der vierten Lateransynode eingeführte Hauptneuerung war indessen in jener Bestimmung der antijüdischen Kanons enthalten, durch die für die Juden zur Unterscheidung von den Christen eine besondere Tracht festgesetzt wurde. Wer kann sagen, wie die Kirchen ­ häupter darauf verfallen sein mochten, sich die alte Erfindung der fanatischen muselmanischen Kalifen zu eigen zu machen, die sowohl 1) Die dritte Lateransynode vom Jahre 1179 untersagte bekanntlich den Christen solche Geschäfte, was sie jedoch nicht daran hinderte, die Darlehensoperationen auch fernerhin zu betreiben (die italienischen „Lombarde“ und Banken).