Seite 2. OBERÖSTERREICHISCHE BAUZEITUNG. Nr. 1. Das Aeussere des Baues ist in geschmackvollem modernen Villenstil gehalten und sind die Innenräume ihrer Benützung entsprechend behaglich und wohnlich durchgebildet. Wandverkleidungen der Diele und des Speisezimmers, Brüstungsgeländer der Treppen und Gallerien, sowie sämmtliche Thüren erhalten ihre Aus¬ führung in gebeiztem Natureichenholz. Als Fussboden¬ belag kommen in den Wohnräumen harte Brettel, in der Küche, im Badezimmer und in den Aborten Xylolith zur Anwendung. In der durch zwei Geschosse reichenden Diele, sowie im Speisezimmer vollendet eine reichere Stuckarbeit neben den einer altdeutschen Möbeleinrichtung stilgerecht angepassten Wandvertäfelung die aparte Innenausstattung dieser Räume. Die Installation der Trinkwasserleitung, Einführung des elektrischen Stromes für Beleuchtung sämmtlicher Räume, sowie Einrichtung des Telephons im Gebäude vervollkommnen und sichern die Möglichkeit eines an¬ genehmen und bequemen Aufenthalts daselbst. Zum Schlüsse sei noch erwähnt, dass die Einrichtung einer im rückwärtigen Theile des Gartens situiert ge¬ dachten Dependence in Aussicht genommen ist, in welcher die Waschküche, sowie ein Depot für Gartenwerkzeuge und Requisiten ihren Platz finden werden. Die approximativen Kosten des completen Villenbaues, exclusive der Herstellung des Nebengebäudes und der Anlage des Gartens, sowie ausschliesslich der diversen Nebenherstellungen, wie: Trottoir, Einfriedung etc. be¬ tragen circa 21.000 fl. d. r. Die Normalisierung der Donau bei Linz für Niederwässer von —200 Centimeter L. P. Von S. Stern, k. k. Ingenieur in Linz. Es ist gewiss nicht nöthwendig, hier von jenen Ver¬ änderungen zu sprechen, welchen ein Fluss durch Hinder¬ nisse, durch Frost oder durch Errosion im Laufe der Zeit unterworfen ist, also von jenen Veränderungen, die der Lauf des Flusses durch die Wanderung der Geschiebe erfährt, auch nicht von jenen Verheerungen und Ver¬ wüstungen, welche der unregelmässige, willkürlich dahin- fliessende Strom an den angrenzenden Liegenschaften anrichtet. Aber gerade diese schädigende Thätigkeit des Wassers war es, welche die Menschen in ihrem Streben nach grösstmöglicher Bequemlichkeit und Sicherheit Mittel er¬ sinnen liess, den Fluss ohne schadenbringende Erschei¬ nungen und ohne wesentliche Aenderung des Laufes selbst weiterzuführen. Dazu kam die Notwendigkeit, die Erzeugnisse des Bodens und der Industrie gegenseitig austauschen zu können und hiezu das Wasser als billigste Communication zu benützen, -so dass wir als Grundzüge und als Bedingung für die erste Regulierungsmethode ansehen können : Die Sicherheit gegenHochwasser bei mög¬ licher Schiffahrt im Flusse. Dieser Zweck wurde wohl auch erreicht, und ge¬ nügten die Anlagen den an sie gestellten Anforderungen, bis in den Eisenbahnen ein neuer Verkehrsweg entstand und die natürlichen Wasserstrassen nicht mehr ver¬ mochten, dem ungeahnten Aufschwung dieses Transport¬ weges Concurrenz zu bieten. Da trat eine neue Aufgabe an die Techniker heran, die, den Fluss zur Wasser¬ strasse geeignet umzugestalten, welche Forderung heute umso energischer gestellt werden muss, als auch die Eisenbahnen nicht mehr vermögen, alle Bedingungen zu erfüllen, welche die stetig vorwärtsschreitende Cultur- arbeit der Menschen an einen Verkehrsweg stellt, der noch wirtschaftlich vortheilhaft erscheinen soll. An die Lösung dieser Frage herantretend, begnügte man sich damit, die Flüsse so zu verbauen, dass sie für mittlere Wasserstände die ungehinderte und womöglich freie Schiffahrt gestatten sollten. Nach diesem Grundsatze wurden fast alle Flüsse und in allen Ländern reguliert. Da nun das so geschaffene Mittelwasserprofil auch die mittleren Hochwässer ungehindert abführen konnte, schien der angestrebte Zweck vollkommen erreicht. Betrachten wir aber den Lauf des Flusses zur Zeit der geringsten Wasserführung, zur Zeit der Niederwässer, so sehen wir jenes Spiel sich wiederholen, das früher, wenn auch viel schädigender, sich zeigte. Der Fluss serpentiniert in seinem regulierten Bette, schafft in den Con caven übermässige Tiefen, in den Convexen Ver¬ flachungen des Gefälles, so dass sich einerseits Strom¬ schnellen mit übermässiger Geschwindigkeit bilden, während an anderen Stellen die Schiffe nicht die not¬ wendige Tauchungstiefe finden. Gerade diese schlechten Uebergänge aber sind es, welche den Grad der Schiffbarkeit eines Flusses bestimmen, da an denselben die maßgebende, die minimalste Tiefe näm¬ lich, vorhanden ist. Diese geringste Tiefe so gross zu schaffen und zu erhalten, dass die freie Gross-Schiffahrt im Strome, selbst bei den kleinsten Wasserständen und mit voller Ladung der grössten, üblichen Binnenschiffe ungehindert erfolgen kann, ist der Zweck der Normali¬ sierung. Wie soll nun dieses Ziel erreicht werden? Bei einem für die Schiffahrt günstigen Uebergänge von einer Ooncaven zur anderen liegen die Tiefen an beiden Ufern einander gegenüber, ohne sich, wie beim schlechten Passe, zu übergreifen, so dass der Strom¬ strich aus der oberen Tiefe in die untere Rinne conti¬ nui er lieh übergeht, die Geschiebe einen Wehrrücken mit verlängertem Absturz bilden. Der Stromstrich eines guten Passes geht derart, dass er im Punkte der grössten Krümmung dem concaven Ufer am nächsten ist, sich allmählich von demselben entfernt, um im Wende¬ punkte der Krümmung auf das andere Ufer überzugehen. Der Stromstrich darf also nicht parallel zum Ufer¬ leitwerke verlaufen, er darf nicht senkrecht zu den Ufern der Geschieberücken passieren, sondern muss das Fluss¬ bett diagonal kreuzen. Soll nun von einer Ooncaven zur anderen der Ueber- gang der Wassertiefen (von einem Maximum zum anderen) ein alhnahliger sein, und soll auf den zwischen den Tiefen gelegenen Geschiebebarren noch genügende Tauchungs¬ tiefe vorhanden sein, so wird es erforderlich, den Einbau von Werken zu bewirken, welche die bei kleinsten Wasser¬ ständen vom Strome geführten Wassermengen zusammen¬ fassen und muss die Tracierung der Ufer nach dem Gesetze vor sich gehen, nach welchem der grössten Krümmung auch die grösste Wassertiefe entspricht. Daraus folgt für die Uferform nicht der Kreisbogen, sondern eine Curve mit zunehmender Krümmung, also die Kreis¬ evolvente oder die Lemniscate. Der Einfachheit halber kann auch der Korbbogen Anwendung finden. Dieses Gesetz der Krümmung wurde von Woltmann in einem seiner Werke schon im Jahre 1808 aufgestellt. Woltmann berechnet für die richtige Curve jene Linie,