Sonntag, 2. September Aufmerksamkeit auf sich zu lensen. Sofort konzentrierte sich auch das überlegene russische Geschützfeuer auf die Batterie, doch standhaft hielten die Tapferen aus, bis ihre Aufgabe, den weiteren geordneten Rückzug zu er¬ möglichen, gelöst war. Der Held des Tages Haupt¬ mann Fischer und seine tapferen Leute konnten darin die Anerkennung finden, daß ihnen bei jeder Gelegen¬ heit seitens der Truppen, welche sich der erwiesenen Unterstützung voll bewußt waren, begeisterte Ovationen dargebracht wurden. So hat sich in diesen schweren Tagen im vorbild¬ lichen Zusammenwirken Pilsner Infanterie und Artillerie aufs glänzendste bewährt und sich mit neuen Lorbeeren geschmückt. („Oesterreichisch-ungarische Kriegskorrcspondenz.") Nach den ruhmvollen Tagen bei Tomaszow und Hojoszki Wald Ende August und Anfang September 1914 bezog das altberühmte Pilsner Hausregiment Nr. 35 am 7. September 1914 die Stellungen in einer Waldparzelle bei Senköwieze, vier Kilometer östlich von Rawaruska. Als Verstärkung wurde die Hauptmaun Fischer-Batterie des Pilsner Artillerieregiments in die Schwarmlinie placiert. Kaum hatte die Infanterie Schützenmulden und Schützenlöcher ausgehoben, sowie die Batterie mas¬ kiert, versuchten die Russen durch schweres Artilleriefeuer unsere Stellungen zum Angriff reif zu machen. Die Batterie erwiderte trotz heftiger Beschießung das feind¬ liche Feuer und schoß dabei Senköwieze, wo die Russen eingenistet waren, in Brand. Um 3 Uhr nachmittags ging der russische Angriff gegen das Regiment Nr. 35 sowie die sich links an¬ schließenden Truppen los. Das Regiment Nr. 35 wies glatt den feindlichen Angriff ab. Die links anschließenden Truppen waren aber durch stärkere Verluste und be¬ deutende feindliche Uebermacht in Bedrängnis geraten, so daß die Beziehung der rückwärts gelegenen Stellung notwendig erschien. In diesem kritischen Momente, wo die linke Flanke der 35er entblößt war und die Gefahr einer Umzingelung drohte, wurde der Befehl gegeben, die Batterie zurückzuschaffen. Diese Aufgabe hatten die 35er im furchtbarsten feindlichen Artillerie- sowie Jn- fanteriefeuer in derart hervorragender Weise gelöst, daß sämtliche Geschütze sowie Munitionswagen unversehrt geborgen werden konnten. , Nun galt es, den am linken Nachbarabschnitt vor¬ dringenden Feind am weiteren Vorgehen zu verhindern. Schnell wurde die noch verfügbare Regimentsreserve zusammengefaßt und, von dem mit beispielloser Hingabe im dichtesten Kugelregen in ihrer Mitte befindlichen Regimentskommandanten Oberstleutnant v. Lamatsel angefeuert, stürzte sich die kleine Heldenschar auf den Ein glänzender Crfolg der deutldien Kriegs- diirurgie. Während der Ersatz verlorener Gliedmaßen bisher ausschließlich durch sogenannte Kunstglieder oder Pro¬ thesen bewerkstelligt wurde, in deren Konstruktion die drei Kriegsjahre ganz hervorragende Leistungen zu ver¬ zeichnen haben, geht neuerdings die Kriegschirurgie in geeigneten Fällen dazu über, durch chirurgische Eingriffe — also auf künstlichem Wege — natürliche Ersatzglieder zu schaffen. Selbstverständlich ist dieses Verfahren nur dort anwendbar, wo es sich um die Heilung kleiner Schäden, etwa um Ersatz von Zehen oder Fingern, handelt. Einen besonders glänzenden Erfolg auf diesem Gebiete hat neuerdings Dr. Neuhäuser (Ingolstadt) erzielt,' der einem Metallarbeiter den im Felde ver¬ lorenen Daumen der rechten Hand ersetzte. Vor zwei Jahrzehnten ist ein solcher künstlicher Daumenersatz schon einmal von einem italienischen Arzt namens Ni- koladini bewerkstelligt worden, und zwar dadurch, daß eine amputierte Zehe auf den Daumenstumpf aufgesetzt Kaiserin Zita und Kronprinz Aranz Joses Htto im ungarischen Krönungsornat. Kiserner Wehrmann in Gmunden. Aufgestellt links am Eingang des Gmundner Rathauses. Zu Füßen auf einer Marmortafel die Inschrift: Mildtätige Sorge in eisernerZeit — Erschuf mich als Werk der Barmherzig¬ keit. 1915. Jeldweöek KP der österr.- ungar. Lnstfayr- trnppen. (Besitzt die Bronzene, kleine Sil¬ berne, zwei¬ mal die große Silberne und zweimal die Goldene Tapferkeits¬ medaille.) Phot. k. u. r. Kriegsministe¬ rium. Zer Aestsaak im städtischen Wokksgarte» in Linz als Hleservespital Es war am 13. September 1914, als der plan- wurde. Neuhäuser hat das gleiche Ziel in ungleich mäßig anbefohlene Rückzug in voller Ordnung vor sich zweckmäßigerer Weise, ohne Amputation eines ganzen ging. Plötzlich eröffnete der nachfolgende Gegner aus Gliedes, erreicht, und zwar dadurch, daß er ein Rippen- mehreren Batterien ein heftiges Feuer auf die mar- stück des Patienten in eine Falte der Bauchhaut ver- schierenden Truppen und Trains. In diesem kritischen pflanzte, worauf er beide mit dem Daumenstumpf ver- Momente, wo durch das immer heftiger werdende einigte. Schon nach einer Woche war, wie das „Organ Artilleriefeuer der Russen die im Rückzüge befindlichen des deutschen Hilfsbundes für Kriegerfürsorge in der Kolonneu in Unordnung zu geraten drohten, war es der Schweiz" berichtet, der neue Daumen gut angeheilt tapfere Batteriekommandant Hauptmann Fischer, der und ein Vierteljahr später konnte der Patient mit dem den Entschluß faßte, inmitten der einschlagenden feind- neuen Glied bereits kräftig zufassen. Gegenwärtig ist lichen Granaten seine Batterie auffahren zu lassen, das der Arbeiter, nachdem die Operation ein halbes Jahr Feuer auf den Gegner zu eröffnen und dadurch die zurückliegt, in der Lage, den Daumen vollwertig be- übermächtigen Gegner, zwang ihn nicht nur zum flucht¬ artigen Rückzüge, sondern hielt auch den gefährdeten Abschnitt bis zum Eintreffen der Reserven besetzt. Bei der Gelegenheit wurde Oberstleutnant v. Lamatsel schwer verletzt. Diese Waffentat bildet ein neues Ruhmesblatt in der Geschichte des altbewährten Pilsner Hausregimentes, und nicht umsonst verdienten sie sich damals den stolzen Namen „Die Helden von Senköwieze". Einige Tage später hatte die oberwähnte Batterie wiederum Gelegenheit, sich in aufopfernder und todes¬ mutiger Weise hervorzutun.