39 freigewordene Gut mit anderen ihrer Eigenleute zu besetzen, wurde von Salzburg aus durchkreuzt. Reherzhaimer hatte gemessenen Befehl, den beiden Grnndherren in der Burgau gut katholische Untertanen aus dein Hüttensteiner Gericht für diesen Hof „beschaidentlich" vorzu ­ schlagen?) Daß es nötigenfalls auch mit Nachdruck geschah, deß können wir sicher sein. Ein Jahr später hat man die Grenzorte nach verdächtigen Büchern durchstöbert, auch wirklich solche gefunden und alle Spuren der Ketzerei nach Möglichkeit vertilgt. Dann war Ruhe. Und als es 100 Jahre darnach (1731) zur großen Protestantenaus ­ treibung kam und auch beim St. Gilgener Pfleghaus die Tafel auf ­ gerichtet wurde, daran das berüchtigte Emigratiouspatent genagelt umr, * 2 ) da scheint es hier niemanden gegeben zu haben, den es angegangen wäre. Das Frei- und Abzuggeld war in diesem Jahre eben wegen der evangelischen Auswanderung abgeschafft worden, und so können wir nur aus den übrigen Posten der Amtsverrechnuug, die keine wesentliche Schwankung aufweisen, den Schluß ziehen, daß der Hütten ­ steiner Gau von dem namenlosen Elend, das dieses Unglücksjahr über andere Teile des Landes gebracht, verschont geblieben ist. Es ist überhaupt eine merkwürdige Erscheinung, wie das Pfleg ­ gericht Hüttenstein von den mannigfachen Wirren, die das Luthertum und die damit verknüpfte wirtschaftliche Revolution an seinen Grenzen angestiftet hatte, förmlich unberührt blieb. Die Bauernaufstände im Mondseerischen und im Salzkammergut, die Vorstöße salzburgischer Rebellen in die Abtenau und das Talgauer Land, sie schlossen einen Kreis der Empörung um den Hüttensteiner Gau, dessen Bewohner sich so still verhielten, als ginge sie die Sache gar nichts an. Es diirfte weniger dem phlegmatischen Naturell, das ja auch den aufrührerischen Nachbarn eigen war, auch nicht etwa der Zufriedenheit mit den eigenen Verhältnissen, die faktisch nicht bestand, zuzuschreiben sein, daß es so war, sondern eher der Umsicht und Tatkraft der Pfleger, die auf die Sicherung der Grenzen ihre ganze Aufmerksamkeit verwandten. Wir wollen die Vorgänge in der Nachbarschaft in ihrer zeit ­ lichen Reihenfolge in Kürze schildern. Der Bauernkrieg von 1525, der den Reigen der Aufstände hier eröffnet, hatte seine Hauptursache in den unerträglichen Steuer ­ 3 Das Hofgericht an Reherzhaimer, ddo. 21. Juni 1616. 2 ) St. G. B. G., Cod. 104. Bauern ­ aufstände.