9 von allerhand Privilegien. Es ist ihnen immer gut gegangen, den Schützlingen des heil. Wolfgang, auch im Vergleich mit ihren Mond- seer Landsleuten, von ihren salzburgischen Nachbarn gar nicht zu reden. Wie wir später sehen werden, haben sie in den Streithändeln an der Hüttensteiner Grenze, die sie oft mit trotzigem Übermut ange ­ fangen, in den weitaus meisten Fällen Recht behalten, ohne Recht zu haben. Der Schutz des Kaisers, der mehr galt als die Macht des Erzbischofs, war eine gewaltige Waffe, die ohne des Kaisers Wissen und Willen gar manchesmal in dem ungleichen Kampf mißbraucht wurde?) So schnell sich dank den Umständen, die wir eben erörtert haben, St.G,lgeu. St. Wolfgang emporarbeitete, so langsam entwickelte sich das Leben über der Grenze am oberen See. Seit die Mönche von Salzburg im 8. Jahrhundert die Urbarmachung der Wildnis begonnen, mag noch eine gute Spanne Zeit verflossen sein, eh' der erste Bauer hier sein Feld bestellte. Die Kirche von St. Gilgen wird 1376 zum ersten ­ mal genannt?) Daß der heil. Ägidins zum Schutzpatron gewählt wurde, soll nach analogen Fällen aus der einsamen Waldwildnis zu erklären sein, denn auch anderswo seien Kirchen im tiefen Wald mit Vorliebe diesem Heiligen geweiht worden?) Wann und unter welchen Umständen diese erste Kirche von St. Gilgen erbaut wurde und wie sie ausgesehen haben mag, ist nicht bekannt?) Um die Mitte des 15. Jahrhunderts ist in gotischem Stil ein Neubau aufgeführt worden, davon heute noch das Portal und die Vorhalle (das „Paradies") er ­ halten ist. Ihre jetzige Gestalt bekam die Kirche bei der Restaurierung durch Erzbischof Sigismund, bei welcher Gelegenheit sie auch (1761) neu geweiht wurde. Sie war eine Tochterkirche von St. Martin in 9 Der Abt von Mondsee hatte immer Mühe, die mutwilligen Streiche seiner Wolfganger höheren Orts in rosiges Licht zu setzen. Dabei half ihn: ge ­ treulich sein Pfleger zu Wildenegg, der ja für die Vorgänge im Gerichtsbezirk verantwortlich war. *) Damals ist unter den Kirchen, die alljährlich ihre Kreuzfahnen zu St. Peter nach Salzburg schickten, in den Aufzeichnungen des Klosters die des heil. Ägidins genannt. b) Dürlinger, Histor.-statist. Handbuch d. Erzdiöz. Salzb. I, S. 393 ff, 4 ) Merkwürdigerweise kommt in dem „Verzeichnis der Pfarrkirchen, Kapellen und Altäre der Salzburger Diözese" (Orig, im Staatsarchiv), das Chmel im Arch. f. österr. Gesch. (Notizenbl. 1852, Jg. 2, S. 265 ff.) veröffentlicht hat, ein Gotteshaus des heil. Ägidins überhaupt nicht vor. Das Verzeichnis soll um die Mitte des 15. Jahrhunderts angelegt sein.