Das Volk in Waffen. Es gibt keine Eigenschaft, welche mehr dein Manne Selbst ­ gefühl, Freiheitssinn und Mannesmuth verleiht, als seine Wehr ­ fähigkeit. Diese haben die Bewohner der Länder Tirol und Vorarlberg von jeher in hohem Grade besessen und wenige Völker Europas, kaum eines in unserem Kaiserreiche, darf sich ihnen darin gleichstellen; denn dieselbe Tapferkeit, die Horaz an den alten Rättern rühmt, haben cutcf) alle andern Stämme bewährt, die von Tirol und Vorarlberg Besitz ergriffen haben. Die tirolischen und Vorarlbergischen Ritter waren ein kampffreudiges Geschlecht, das seinesgleichen suchte; bald thaten es ihnen die Bürger nach. Was aber diese Länder vor allen andern auszeichnet, ist die Thatsache, daß auch die unterste Volksclasse, die Bauern, die alte Wehr ­ fähigkeit sich wahrten. Das Recht und die Pflicht, das Vaterland selbst gegen den Andrang der Feinde zu vertheidigen, ist darum gerade das wichtigste Element der Verfassung beider Länder geworden; während alle andern Rechte und Freiheiten im Laufe der Zeit sich abschwächten oder ganz verloren giengcn, haben die Tiroler und Vorarlberger dieses eine in voller Kraft sich bis in unser Jahrhundert erhalten. Es entsprach darum ganz den that ­ sächlichen Verhältnissen, wenn in den Revolutions- und Coalitions- kriegen die Regierung das Recht der Landesdefension als das Wesen der Verfassung hinstellte und das Volk sich dieser Anschau ­ ung anschloß. Was die Tiroler und Vorarlberger im frühern Mittelalter für Kämpfe mitgemacht, darüber fehlen uns leider fast alle Nach ­ richten. Das wichtigste Ereigniß, von den wir Kunde haben, ist Die Tiroler und Vorarlberger von I. Egger. 13