482 O. 5>. L-: Entwicklung der Gesamtlage. Winter 1916/17. zwar dadurch ihrer gefährlichsten Wirkungen entkleidet, daß die Bevölkerung sich teils einsichtig, teils murrend mit dem Ersatz von Kartoffeln durch Kohlrüben abfand und über die Notlage hinwegtäuschte. Eine ernste Frage blieb aber neben ausreichender Versorgung des Heeres die der Arbeiter- schast, vor allem in der Nüstungsindustrie. Ihre Leistungsfähigkeit und ihre Stimmung begannen unter den Einschränkungen zu leiden. Im November mußte das Heer der heimischen Wirtschaft eine Aushilfe an Fett zur besseren Ernährung der Rüstungsarbeiter zuführen. Genexalfeldmarschall von Hindenburg richtete einen Appell an den Opfergeist der Landwirtschast, in dem er zu freiwilligen Spenden aufforderte. Das Ergebnis der für die „Hindenburgfpende" eingeleiteten Sammlung blieb aber weit hinter den Erwartungen zurück, blieb ein Tropfen auf den heißen Stein, bis im Früh- fahr 1917 die Versorgung der „Schwerst- und Schwerarbeiter" besonders geregelt wurde. Das aber war nur auf Kosten der übrigen Bevölkerung möglich. Bei der Durchführung des Rüstungsprogramms zeigte sich neben der Schwierigkeit, die nötigen Arbeitskräfte zu beschaffen') und ausreichend zu ernähren, zunehmende Knappheit an Rohstoffen jeder Art. Sie wuchs mit der Steigerung des von der Heeresleitung Ge- forderten. Die Zwangswirtschaft mußte auf alle kriegswichtigen Stoffe ausgedehnt werden. Sie erfaßte nächst der Kohle insbesondere Eisen und Stahl, die nicht nur unmittelbar für Kriegsgerät, sondern vorerst auch für die zu dessen Herstellung erforderlichen Fabrikbauten und Maschinen in unvorhergesehenen Mengen gebraucht wurden. Außerdem mußte ein Uber¬ schuß für die Ausfuhr bleiben, um kriegswirtschaftlich unentbehrliche andere Güter einzuhandeln. Diese Einfuhr wiederum war jetzt erschwert durch die Kriegserklärung Italiens an Deutschlands, die einen der wenigen bisher noch offenen Wege verschlossen hatte. Einfuhr war künftig nur noch über die Schweiz, über Holland und vor allem aus den nordischen Staaten mög- lich, wurde aber auch hier durch die Maßnahmen der Gegner immer mehr eingeengt. Wachsende Vetriebsschwierigkeiten bei der Eisen- bahn kamen hinzu. Das rollende Material, besonders an Lokomotiven, war nach zwei Iahren Krieg bei Mangel an Arbeitskräften, aber auch an manchen unentbehrlichen Rohstoffen und daher unzureichender Instand- setzungsmöglichkeit in einem Maße abgenutzt, das die Leistungen in bedenk- lichem Amfange herabdrückte. Die daraus entstandene Transportkrise wurde durch die erhöhten Anforderungen des Rüstungsprogramms noch gesteigert. Sie wurde besonders ernst, als mit dem winterlichen Zufrieren der Wasser- ») 6. 34 ff. — -) ©.50.