Die Friedensnote des Präsidenten Wilson. 459 Der Feldmarschall könne die Verantwortung für den Verlauf des Feld- zuges nicht mehr tragen, falls die Regierung hierauf nicht einginge." Die Oberste Heeresleitung werde gegen Holland und Dänemark so starke Truppen aufmarschieren lassen, daß diese Staaten nicht losschlügen; man solle den Neutralen eine Fahrrinne nördlich um England herum freigeben. Amerika aber ginge über kurz oder lang doch gegen uns"). Schließlich schied Lega- tionssekretär von Leisner mit dem Eindruck, daß General Ludendorff für ein Durchlassen von Passagierdampfern nach England doch noch zu haben sein werde, solange sie nicht „absolute Konterbande" führten. Am 23.Dezember legte der Generalfeldmarschall selbst inA.se^mber. einem Fernschreiben an den Kanzler den Standpunkt der Obersten Heeres- leitung nochmals klar. Er begann mit dem Hinweis, daß wir nach der militärischen Lage keine Zeit verlieren dürften, um zunächst zu der bereits verabredeten Torpedierung der bewaffneten feindlichen Handelsschiffe zu kommen, und wandte sich dann dem Friedensschritt der Vereinigten Staaten zu: „... Ich halte das Wilsonsche Angebot für von England hervorgerufen, um uns hinzuhalten. Wir können meines Erachtens aus nationalen Gründen in Rücksicht auf unsere starke militärische Position darauf jetzt nicht eingehen. Es würde daher eine schwere und militärisch nicht zu recht- fertigende Unterlassung sein, wollten wir uns irgendwie hinhalten lassen. Dies würde auch die Armee, die am Feinde steht, in gleicher Weise empfinden. Offiziere und Soldaten erwarten den rücksichtslosen Einsatz aller Kraft. Die Stimmung der Armee darf nicht übersehen werden, wenn ihr nicht die Kampffreudigkeit genommen werden soll ... Gelegentlich der Besprechung Ende August in Pleß haben Euere Exzellenz den Entschluß zum verschärften Unterseekrieg abhängig gemacht von meiner Erklärung, daß ich nach der militärischen Lage den Augenblick für gekommen ansähe. Dieser Augenblick wird Ende Januar da sein. Unser Sieg in Rumänien ') Diesen Gedanken hat Gen. Ludendorff später („Am heiligen Quell deutscher Kraft", Folge 21 vom 2. Febr. 1936, S. 835 ff.) dahin erläutert: „Ich machte mir nun über die Haltung der Vereinigten Staaten sehr bald mein eigenes Bild. Sie waren tatsächlich nicht neutral, sondern sie unterstützten unsere Feinde durch Anleihen und Kriegsmaterial. Dadurch hatte sich eine enge Verflechtung des amerikanischen Handels sowie der amerikanischen Finanzen mit der Entente ergeben. Beides war sür die Be¬ völkerung der Vereinigten Staaten ungemein einträglich und machte das dauernde Nachgeben Wilsons gegenüber England in allen Fragen der Seekriegführung nur zu erklärlich. Die Vereinigten Staaten mußten befürchten, im Falle eines deutschen Sieges schwere Verluste zu erleiden ... Sie würden in den Krieg gegen uns ein¬ treten, sobald sich die Möglichkeit uns zeigte, den Sieg über England und Frankreich zu erringen. Wir kamen also um den Eintritt der Vereinigten Staaten gegen uns, wenn wir den Krieg gewinnen wollten, und das mußten wir, wenn wir am Leben bleiben wollten, überhaupt nicht herum."