458 O. H. L.: Anterseekrieg und Friedensangebot. 21. Dezember, bekanntgeben, unter denen der Krieg zum Abschluß gebracht werden könne, und einen Meinungsaustausch hierüber einleiten. Cr wies darauf hin, daß beide Parteien wünschten, „für die Zukunft die Rechte und die Freiheiten schwacher Völker und kleiner Staaten gegen Unterdrückung oder Verneinung gesichert zu sehen wie die Rechte und Freiheiten der großen und mächtigen Staaten, die jetzt den Krieg führen. Jeder wünsche sich neben anderen Nationen in Zukunft gesichert zu sehen gegen die Wiederholung eines Krieges wie des gegenwärtigen, sowie gegen Angriffe und eigennützige Störungen jeder Art." Die Vereinigten Staaten hätten hieran ein ebenso dringendes und unmittelbares Interesse, wie die jetzt im Kriege befindlichen Völker. Die Note schloß mit den Worten: „Der Präsident schlägt keinen Frieden vor, er bietet nicht einmal seine Vermittlung an. Cr regt nur an, daß man sondiere ... wie nahe wohl das Ziel des Friedens sein mag." Nach Eingang dieser amerikanischen Note ließ Staatssekretär Zim¬ mermann der Obersten Heeresleitung auf deren Drängen zum Unter- feekrieg antworten, vor weiteren Entscheidungen müsse die formelle Antwort der Gegner auf das deutsche Friedensangebot abgewartet werden, und danach werde verabredungsgemäß die Frage der bewaffneten Handelsschiffe, wofür eine Note in Vorbereitung sei, betrieben werden'). Das sei auch die Ansicht des Kaisers. Gegen rücksichtslosen Unterseekrieg aber beständen zur Zeit ernste Bedenken. Diese Entscheidung trug Legationssekretär Freiherr von Leisner, der inzwischen bei der Obersten Heeresleitung an Stelle des Legationsrats von Grünau die Aufgabe übernommen hatte, die Verbindung mit Reichs- 2z.Dezember, kanzler und Auswärtigem Amt zu unterhalten, am 22.Dezember General Ludendorff vor. Uber die anschließende Aussprache berichtete er an das Auswärtige Amt*): „Der General erklärte, es läge ihm durchaus fern, die Reichsregierung vor Erledigung der Friedensaktion zum rücksichtslosen U-Boot-Krieg zu drängen. Cr müsse jedoch noch einmal seine Ansicht fest- legen, daß ohne rücksichtslosen U-Voot-Krieg wir den Feldzug verlieren würden. Seine Eindrücke von der Westfront hätten ihn hierin noch bestärkt. Die Versenkung der bewaffneten Handelsdampfer genüge nicht. Der Herr Reichskanzler habe im Septembers in Pleß zugestimmt, daß die Oberste Heeresleitung über den Zeitpunkt des Beginns des rücksichtslosen U-Boot- Krieges entscheiden solle. Dieser Zeitpunkt sei EndeIanuar gekommen. ») ©.452. 2) Telegramm des Legationssekretärs von Lersner an das Auswärtige Amt (abgedr. in Anters. Aussch. Beil. 177). 3) Gemeint war 31. August (6.445).