Überreichung des Friedensangebots. 457 war, daß eine nachteilige Wirkung auf die Kampfbereitschaft des Heeres nicht festgestellt werden könne. b) Ablehnung des Friedensangebotes und Verhandlungen über den Unterseekrieg. Alsbald sprachen sich führende Staatsmänner in Frankreich, Rußland, Italien und England gegen das Friedensangebot der Mittelmächte aus. Schon am 13. Dezember bezeichnete Ministerpräsident Vriand den Schritt 13- "s als ein Manöver, um unter den Alliierten Zwietracht zu säen und die Völker 2°" ®eacw6"* zu demoralisieren. Wenige Tage später wies der als Nachfolger Stürmers bemfene russische Außenminister Pokrowski den Friedensvorschlag mit Entrüstung zurück; das zu erstrebende Ziel sei die Vernichtung der Gegner. Am 18. Dezember forderte der italienische Minister des Auswärtigen Sonnino die Kammer auf, nichts zu beschließen, was so gedeutet werden könnte, als ob Italien in der Friedensfrage eine von seinen Verbündeten abweichende Haltung einnähme. Am 19. Dezember endlich nahm auch Lloyd George, der Anfang Dezember für Asquith englischer Ministerpräsident geworden war*), vor dem Unterhause in ablehnendem Sinne Stellung. Gerade während dieser Vorgänge aber hatte am 15. Dezember der zweite große und erfolgreiche französische Angriff vor Verdun stattgefunden. General Ludendorff begab sich an die West- front und unterrichtete sich bei den Armeeführern2). Mehrere von ihnen brachten die große Erschöpfung ihrer Truppen zur Sprache. Daß Nach- lassen der Kampfkraft infolge des Friedensangebots eine Rolle gespielt habe, ließ sich aber nicht erweisen'). Anter dem tiefen Eindruck dieser Aus- sprachen, die baldige Entlastung des Westheeres dringend forderten, ließ der Erste Generalquartiermeister nach Rückkehr in das Große Hauptquartier am 20.Dezember an den Staatssekretär des Auswärtigen, Zimmermann, drahten^): „Nachdem Lloyd George Friedensangebot durch seine Erklärung im Unterhaus abgelehnt hat, bin ich auf Grund der Eindrücke, die ich an der Westfront gewonnen habe, der Überzeugung, daß nunmehr der U-Voot- Krieg mit aller Schärfe einsetzen muß." Drei Tage nach dem Erfolge der Franzosen vor Verdun hatte inzwischen am 18. Dezember auch Präsident Wilson eine Friedensnote erlassen, die am 21.in Verlin überreicht wurde. Cr21.Dezember, regte an, alle kriegführenden Staaten möchten baldigst die Bedingungen 1) S. 438. 2) S. 165. 3) S. 171 f. 4) Abgedr. in Anters. Aussch. Beil. 175.