450 O. h, £.: Anterseekrieg und Friedensangebot. I. Sttober. Unter 2. bis 4. wies der Kanzler nochmals auf die Gefahr hin, daß Holland, das „nach mir zugänglichen Nachrichten" insgesamt über 700000 Mann') verfüge, in den Krieg gegen uns eintreten und Dänemark diesem Beispiel folgen werde. Auch für Spaniens Haltung fürchtete er. Weiter hieß es: „5. Die Wirkung des U-Boot-Krieges auf England bleibt Sache unsicherer Schätzung. Für uns günstige Momente sind schlechte bzw. mittel- mäßige Ernten in England, Nordamerika, Kanada und Argentinien. Trotz- dem bleibt bestehen: a)Unmöglichkeit hermetischer Absperrung Englands; d) Möglichkeit, unumgänglich notwendige Zufuhren bei Nacht oder unter dem Schutze eines Eonvois nach England zu befördern; c) Unmöglichkeit, Transporte zwischen England und Frankreich zu unterbinden, wenn sie auch vielleicht partiell und zeitweise gestört werden können. Hiernach Aussicht, England schwer zu schädigen, zwar vorhanden, Wahr¬ scheinlichkeit aber, es zum Frieden zu veranlassen, wenn Amerika, Holland, Dänemark und Spanien sich ihm anschließen, zum mindesten problematisch. „Die hierdurch eröffneten Perspektiven sind so ungeheuer ernst und von so großer allgemeiner Tragweite, daß sie, selbst abgesehen von der in Amerika schwebenden Aktion, Seiner Majestät in gemeinschaftlichem Vor¬ trage dargelegt werden müssen, bevor der endgültige Entschluß fällt." Darauf konnte dem Kanzler zunächst sein Vertreter im Großen Haupt- 2.Oktober, quartier, Legationsrat Freiherr von Grünau, am 2. Oktober berichten^): Der Generalfeldmarschall und General Ludendorff haben wiederholt mit Nachdruck ausgesprochen, wie sehr sie die Ent¬ stehung des irrigen Eindrucks bedauerten, als ob „ihrerseits eine Ent- scheidung in einer Frage getroffen worden wäre, die nur im Venehmen mit Euerer Exzellenz entschieden werden könne. Beide Herren betonten mehr- fach, daß die loyale Zusammenarbeit mit Euerer Exzellenz durch keinen Mißton gestört werden dürfe und daß ihnen nichts ferner liege, als hinter dem Rücken Euerer Exzellenz Sonderpolitik zu treiben oder sich überhaupt in die politischen Geschäfte einzumischen; je mehr in einer Frage sachliche Differenzen beständen, um so offener müsse man sich gegenseitig aussprechen, aber für Quertreibereien seien sie nicht zu haben." Zur Frage der Verantwortlichkeit selbst nahm der Generalfeldmarschall 5. Sttober. in dem schon erwähnten Telegramm vom 5.Oktober') Stellung, in dem er zum Schluß darauf hinwies, daß der Kanzler tatsächlich einen anderen Standpunkt einnehme, als er, der Generalfeldmarschall, bisher geglaubt habe. Die Zahl war bedeutend zu hoch gegriffen. — Abgedruckt in den Unters. Aussch. Beil. 164. — 3) S. 446.